Berlin : Uran-Munition: Werthebach wusste seit August 1999 von dem Risiko

O.D.

Dass die NATO während des Kosovokrieges mit Uran angereicherte Munition einsetzte und somit eventuell ein Gesundheitsrisiko für die dort im Rahmen eines internationalen Kontingentes eingesetzten Polizeibeamten bestehen könnte, war Innensenator Eckart Werthebach (CDU) bereits im August 1999 bekannt. Dies sagte er gestern im Innenausschuss. "Vorausschauend" habe er sich daher an Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) gewandt und verlangt, dass "jeder meiner Berliner Beamten darüber informiert" werde. Zudem habe er für den Einsatz entsprechende Schutzbekleidung und -ausrüstung gefordert. Neben der üblichen ABC-Schutzmaske sei ihm die Ausrüstung mit besonderen Partikelmasken zugesagt worden. Den Rückzug der Berliner Polizisten habe er "wegen der grundsätzlichen Bedeutung des Einsatzes" jedoch nicht befürwortet. "Ich habe damals sehr viel Rücksicht auf die Bundesregierung genommen", meinte der Senator. Eine Information der Polizeibeamten durch Senat oder Polizeiführung habe es jedoch nicht gegeben. Dies sei die Aufgabe einer "Taskforce" beim Bundesinnenministerium gewesen. Inzwischen habe er feststellen müssen, dass die Beamten dort eher "nebenbei" auf die Möglichkeit "ionisierender Strahlen" hingewiesen wurden. Werthebach erklärte, alle betroffenen 38 Berliner Polizisten würden gründlich untersucht. 11 Beamte sind derzeit noch in Bosnien und an der albanischen Grenze stationiert. In diesem Zusammenhang wies der grüne Abgeordnete Wolfgang Wieland darauf hin, dass es mit der Fürsorge für die Polizisten allein nicht getan sein könne. Vielmehr müsse man sich auch fragen, ob es zu verantworten sei, weiterhin Personen in ein potenziell verstrahltes Gebiet abzuschieben.

Der Berliner Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Klaus Eisenreich, hatte in der vergangenen Woche eine Rückkehr der Beamten nach Deutschland angeregt. Alle sollten ärztlich untersucht werden.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar