Berlin : "Urban 21": Zur Städte-Konferenz in der Oberbaum-City über 2000 Gäste erwartet

Christian van Lessen

Die Weltkonferenz zur Zukunft der Städte - "Urban 21" - zu Gast in der Oberbaum-City, die Chefs der größten Metropolen in Friedrichshain versammelt: Das hätten sich die Investoren nicht träumen lassen, als sie vor rund acht Jahren erstmals überlegten, die ausrangierten einstigen Glühlampenfabriken von Osram und Narva in ein modernes Dienstleistungszentrum umzubauen. Inwischen sind an der Oberbaumbrücke über eine Milliarde Mark investiert worden, bald werden insgesamt 4000 Arbeitsplätze entstanden sein. Ein Vorzeige-Objekt der Stadtentwicklung also für die dreitägige "Urban 21", die auf Einladung des Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen am Dienstag im ICC beginnt und abends zum Empfang lädt - in die Oberbaum-City. Rund 30 Busse werden anrollen.

Zum Kongress, den der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, und Bundeskanzler Gerhard Schröder eröffnen, werden mehr als 3100 Teilnehmer erwartet, zum Empfang immerhin fast 2000. Die Zusagenliste verzeichnet Minister und Bürgermeister aus aller Herren Länder. Eberhard Diepgen wird beispielsweise seine Kollegen aus Buenos Aires, Kapstadt, Dakar, Istanbul, Karachi, Lagos, London, Manila, Moskau, Neu Dehli, Peking, Seoul, Shanghai, und Teheran begrüßen können. Bundesminister Reinhard Klimmt trifft Kollegen aus Frankreich, Bulgarien, Lettland, Dänemark, Indonesien, Chile, Südafrika oder Singapur.

Klimmt hatte sich die Oberbaum-City als Ort für den Empfang - aber auch für etliche Fachveranstaltungen - ausgesucht, weil das Gelände beispielhaft die zeitgemäße Wiederbelebung eines alten Industriestandortes zeigt. Zwar stehen die Metropolen in Entwicklungsländern nicht unbedingt vor dem Problem, alte Industriebrachen wiederzubeleben, aber es geht bei der "Urban 21" vor allem darum, die Sorgen der anderen kennenzulernen, voneinander zu lernen und nach Lösungen bei der Stadtentwicklung zu suchen. Immerhin wächst weltweit die Verstädterung, im Jahr 2025 werden bereits zwei Drittel der Weltbevölkerung in urbanen Siedlungen leben.

Hauptsponsoren des Empfangs in der Oberbaum-City werden die Investoren HVB-Projekt und Hochtief sein. Geschäftsführer Gisbert Dreyer von der HVB-Projekt wies gestern auf die seiner Ansicht nach wachsende Rolle von Investoren bei der Stadtentwicklung hin und auf die Bedeutung der sogennanten Public Private Partnership, die Zusammenarbeit des öffentlichen und privaten Sektors. Dies werde man bei der "Urban 21" erläutern und auch darauf hinweisen, dass die Zusammenarbeit oftmals von Missverständnissen geprägt sei; Investoren, die einen wesentlichen Beitrag zur Stadtentwicklung leisten wollten, sähen sich dann dem Vorwurf der Bodenspekulation ausgesetzt. Bernd Pütter von der Unternehmenszentrale Hochtief stellte fest, dass die Wirtschaft oft an der urbanen Entwicklung gar nicht beteiligt wird. Man wolle aber frühzeitig in Projekte einsteigen, eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen der öffentlichen Hand und privaten Unternehmen sei gerade in Zeiten leerer Haushaltskassen immer wichtiger. Die Weltkonferenz wird als willkommener Anlass gesehen, mit anderen Kommunen Kontakte zu knüpfen und ins Geschäft zu kommen.

Und dafür bietet sich drei Tage lang vor allem das ICC an, in dessen Foyer eine Ausstellung mit Ideen und Projekten zur Stadtentwicklung gezeigt wird. Am 5. Juli wollen Minister aller Kontinente die Zukunft der Städte bewerten. Das Abschlussplenum kommt am 6. Juli zusammen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben