Berlin : Urban Priol läßt bei den Wühlmäusen die schwarzhumorige Sau raus

Norbert Tefelski

Grünes Hemd, roter Schlips, runde Brille, vom Hinterkopf abstehende Künstlermähne - wer so ausieht, kann tatsächlich nur aus Versehen in den Stadtrat eines Provinznestes gewählt worden sein. Allen, so auch diesen Übels Anfang sei seine Unfähigkeit, "Nein" zu sagen, erläutert Urban Priol, der dem Kommunalpolitiker, hinter dem er sich nur halbherzig versteckt, erst gar keinen Namen gab.

Das Verneinungstraining für notorische Jasager ist eines von weißderteufelwievieltausend angerissenen Themen, die das Kabarettprogramm mit dem austauschbaren Titel "Stimmt so" in die Überlänge treiben - glücklicherweise halb so schlimm, weil der erstaunlich dialektbegabte Beinah-Bayer als brillanter Mime und knuddeliger Sympathieträger das Publikum bei den Wühlmäusen immer wieder aus gelegentlich gähnenden Gag-Löchern reißt.

Ganz klassischer Brettl-Monologist, assoziert er sich durch den Status quo, hakt die regierende "Comedy-Truppe" mit angenehm beiläufigen Parodie-Segmenten ab. Staatsbürgerkundlich wertvoll: Der geschickt inszenierte Verweis auf die sprachlich forcierte Entfremdung zwischen dem Bürger "da draußen" und den Politikern "da oben". Das ist solides Handwerk, dem man gerne zuschaut und das mitunter glanzvoll kulminiert.

In einem Kabinettstückchen läßt der Bursch mit dem harmlos-naiven Geschau die schwarzhumorige Sau raus: Priols flexible Dackelfalten-Physiognomie verwandelt sich höchst überzeugend in die eines halbseitig gelähmten Beamten, der als Quotenbehinderter in der Bürgerbeschwerdestelle sitzt: "Und was haben SIE für Probleme..?" Die Frage könnte auch Rudolf Scharping gelten, der "in stillem Wutanfall" eine Schnecke zertrat. Warum? "Das Vieh hat mich den ganzen Tag verfolgt.""Stimmt so" läuft bei den Wühlmäusen bis 14.8., 20 Uhr

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