Urlaubsplanung : Hälfte der Schweingrippekranken war in Spanien

Die Hälfte der 65 H1N-Infizierten kommt aus Spanien. Berliner Behörden bereiten sich auf Massenimpfungen vor. Dennoch will die Gesundheitsverwaltung nicht von Reisen nach Spanien abraten.

Nana Heymann

Berlin/PotsdamWer derzeit seinen Urlaub plant, sollte sein Reiseziel besser mit Bedacht wählen. Oder sich gut über hygienische Maßnahmen informieren, um sich vor dem Schweinegrippevirus H1N1 zu schützen. Denn fast die Hälfte aller Berliner Erkrankten hat sich während eines Spanienaufenthalts infiziert: 28 von derzeit insgesamt 65. Auch in Brandenburg, wo sich bislang 23 Schweinegrippe-Fälle bestätigt haben, handelt es sich bei vielen Betroffenen um Spanienurlauber.

Die Gesundheitsverwaltung will dennoch nicht von Reisen dorthin abraten. Sprecherin Regina Kneiding weist darauf hin, dass Vorsichtsmaßnahmen wie regelmäßiges gründliches Händewaschen mit Seife ausreichen, um eine Ausbreitung der Krankheit zu vermeiden. Sie geht davon aus, dass die Dunkelziffer der Infizierten vermutlich um ein Vielfaches höher ist, weil die Schweinegrippe meist nur sehr leichte Symptome verursacht und bei vielen Menschen womöglich unbemerkt verläuft. Einen Andrang auf die Untersuchungslabore gebe es bislang nicht. Im Landeslabor Berlin-Brandenburg würden täglich 30 bis 40 Proben untersucht, „das ist im bundesdeutschen Vergleich sehr moderat“, sagt Kneiding.

Überhaupt befindet sich Berlin mit bislang insgesamt 65 bestätigten Fällen deutschlandweit im Mittelfeld, Spitzenreiter ist Nordrhein-Westfalen mit 543 gemeldeten Betroffenen. In Schleswig- Holstein musste gestern zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage eine Geburtsstation schließen, weil zwei Mitarbeiter und ein Neugeborenes an Schweinegrippe erkrankt sind.

„In Berlin gibt es dazu derzeit keinerlei Veranlassung“, sagt Marie-Luise Dittmar von der Gesundheitsverwaltung. Zurzeit bereitet sich die Behörde auf ein Treffen am Donnerstag in Thüringen vor. Dort werden Vertreter aller Bundesländer und des Bundesgesundheitsministeriums zusammenkommen und das weitere Vorgehen besprechen, auch hinsichtlich der ab Herbst geplanten Massenimpfaktion.

Von einer vorsätzlichen Infektion mit dem H1N1-Virus wie bei sogenannten Masernpartys ist jedoch dringend abzuraten. „Das wäre ein gefährliches Spiel, weil schwere Krankheitsverläufe denkbar sind“, sagt Susanne Glasmacher vom Robert-Koch-Institut (RKI). Es bestehe dabei die Gefahr, dass ungewollt Menschen angesteckt werden, die bereits gesundheitlich vorbelastet sind, etwa durch chronische Krankheiten oder Atemwegserkrankungen. Außerdem gebe es „vorsichtige Hinweise“ darauf, dass der Impfschutz in Hinblick auf eine spätere Neuansteckung mit einem womöglich veränderten Influenzavirus nicht ausreichend ist. 

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