Berlin : Urlaubsplanung mit allen Sinnen

Annette Kögel / Burkhardt Röper

Reisekataloge sind in der neuen TUI-Filiale Unter den Linden verpönt. Die schönsten Wochen des Jahres beginnen hier vor einem Plasmabildschirm. Der Besucher erkundet sein Traumziel in virtuellen Spaziergängen am Computer. Und der erlaubt sogar, mal kurz die Luft am gewünschten Urlaubsort zu schnuppern. Entscheidet sich der Reisewillige zum Beispiel für eine Spanien-Rundreise, strömt der Duft von südeuropäischen Früchten in den Raum. "Den geplanten Urlaub mit allen Sinnen entdecken", erklärt Beate Arnold, Leiterin von Deutschlands erstem "Event-Reisebüro", ihr Konzept.

Die 1000 Reisebüros in Berlin müssen sich etwas einfallen lassen, um Kunden zu binden. Unter der multimedialen Konkurrenz und dem aktuellen Weltgeschehen leiden vor allem kleinere Unternehmen, klagt der Bundesverband mittelständischer Reiseunternehmen. Immer mehr Reisehungrige klicken sich übers Internet zum Urlaubsort oder buchen über Satelliten-Fernsehkanäle wie "TV Travel Shop". Deswegen gehen Reisebüros und -organisatoren auch in dieser Stadt neue Wege beim Marketing.

Der Reiseveranstalter "Olimar" in Prenzlauer Berg zum Beispiel versetzt seine Kundschaft mit Gemälden portugiesischer Künstler an der Wand und einem Vinho Verde in der Hand gedanklich in den Süden. Der Skireise-Anbieter "No Limits" hält seine Klientel mit Partys in der Kalkscheune bei Laune. Und die TUI bittet potenzielle Passagiere zur Kreuzfahrt-Matinee ins "Maritim Pro Arte Hotel" an der Spree.

"Die Kunden lassen sich gern in ungezwungener Atmosphäre beraten", sagt Detlev Koch, Geschäftsführer der TCB-Reisebüro GmbH, der dieses Jahr erstmals mit Kreuzfahrt-Veranstaltern in maritimem Ambiente informierte. Beliebt sind auch Führungen für Berliner - durch die eigene Stadt. Koch: "So wollen wir den Kunden Städtereisen näher bringen." Das Konzept geht auf: "Studiosus"-Trips in andere Metropolen sind jetzt gefragter. Auch "Olimar" an der Schönhauser Allee 10/11 will mehr bieten als Prospekte und Preislisten. "Wir laden Reisebüros und ihre Kunden zu uns ein", berichtet Harald Heinke, Leiter der "Olimar"-Repräsentanz. Dort gibt es Vernissagen mit Künstlern und "Kostproben aus Küche und Keller". Vergangene Woche startete ein ARD-Journalist mit den Gästen eine visuelle Reise nach Lissabon, heute Abend werden Unternehmer aus Ost-Bezirken bei Vinho und Video auf Portugal als Reiseland und Wirtschaftsstandort eingestimmt.

Letztlich sind es diese persönlichen Bindungen, die Beratungen von Angesicht zu Angesicht, die den Reisebüros das Überleben auch im Computerzeitalter sichern, meint wiederum Reisebüroverbands-Vertreter Egon Dobat. Statt sich vom Internet verdrängen zu lassen, sollten Büros junge Kunden auf die eigene Homepage locken.

Dass sich Destinationen mit einem Hauch Lebensgefühl besser verkaufen lassen, weiß auch die Berlin Tourismus Marketing GmbH: Bei Veranstaltungen im Ausland gibt es oftmals auch Berliner Spezialitäten aus Topf und Pfanne - und das Stadtwappen-Tier in Lebensgröße zum Anfassen.

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