Urteil : Bewährungsstrafen für Neonazis

Neun Monate nach ihrem brutalen Überfall auf eine Rockband sind drei Neonazis heute vom Amtsgericht Tiergarten zu Jugendstrafen von 10 bis 14 Monaten verurteilt worden. Die Strafen wurden zur Bewährung ausgesetzt.

Berlin - Die Angeklagten im Alter von 19 und 20 Jahren hatten die von ihnen für links gehaltenen Musiker in deren Probenraum im Stadtteil Pankow mit Reizgas besprüht und mit Schlagstöcken misshandelt, um deren Auftritt zu verhindern. Das Gericht sprach von einer menschenverachtenden und feigen Tat. Ein Freund der Angeklagten, der draußen Schmiere gestanden hatte, erhielt eine Woche Dauerarrest.

Das Quartett aus Berlin-Pankow muss zudem jeweils zwischen 600 und 840 Euro Schmerzensgeld sowie Schadensersatz zahlen. Die misshandelten Musiker im Alter von 26 bis 35 Jahren mussten seinerzeit mit Kopfplatzwunden im Krankenhaus behandelt werden. Die Richterin sagte, bei dem massiven Angriff hätten die Opfer keinerlei Chance gehabt, sich zu wehren. «Ich war psychisch total fertig», hatte einer der Überfallenen als Zeuge ausgesagt. Die Musiker nehmen an, dass die Täter sie mit einer anderen Band auf den Gelände verwechselten, weil sie selbst keine linken Titel spielen.

Die Angeklagten waren weitgehend geständig, spielten ihre Schuld aber herunter, wie es in der Urteilsbegründung hieß. Einer der Angeklagten, ein 20-jähriger Tischlerlehrling, schilderte vor Gericht, dass er in einer Kantine ein Gespräch belauschte, wonach linke Musiker auf dem Industriegelände proben würden. Er habe daraufhin seine Kumpel zum Angriff zusammengetrommelt. Die Schläger waren damals sehr schnell festgenommen worden, weil die Polizei einen Hinweis erhalten hatte.

Die Verurteilten wollen sich mittlerweile von der rechten Szene gelöst haben. Er habe deswegen bereits Morddrohungen aus der Szene erhalten, gab ein 19-jähriger Automechaniker vor den Richtern an. Er äußerte sein Bedauern über den Überfall. (tso/dpa)

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