• Urteil gegen Stangenwerfer rechtskräftig 19-Jähriger zog Berufung vor Landgericht zurück

Berlin : Urteil gegen Stangenwerfer rechtskräftig 19-Jähriger zog Berufung vor Landgericht zurück

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Zehn Monate Haft sind genug. So sah der 19jährige Mohammad N. die Sache mit der Eisenstange, die er von einem Balkon an der Soldiner Straße in Wedding auf ein Polizeiauto geschleudert hatte. Die Stange durchschlug eine Scheibe und verletzte einen Beamten. Im April wurde N. wegen gefährlicher Körperverletzung zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Er legte Berufung ein. Vor dem Landgericht sah sich der Eisenstangen-Werfer gestern gezwungen, seine Taktik kurzfristig zu ändern – und zog die Berufung zurück.

Es waren deutliche Signale des Gerichts, die eine Verhandlung ersparten. Was er sich von der Berufung verspreche, wollten die Richter wissen. „Ich will aus dem Gefängnis“, sagte N. Dies hielt das Gericht für wenig realistisch. Nach einer kurzen Bedenkpause war es vorbei. N. habe seine Berufung zurückgenommen, verkündete der Vorsitzende Richter. In der Hoffnung auf eine baldige Strafaussetzung auf Bewährung, hieß es weiter. Mit der Rücknahme der Berufung habe er eine späte Einsicht gezeigt, sagte ein Justizsprecher. Bei einer späteren Prüfung auf vorzeitige Entlassung könnte sich das positiv auswirken.

Die Eisenstange, die N. am 1. November letzten Jahres warf, war knapp fünfzig Zentimeter lang und traf den Streifenwagen, in dem Egbert M. und eine weitere Polizistin saßen. Die Stange durchschlug eine Scheibe, bohrte sich sechs Zentimeter tief in den Hals des Beamten und verfehlte knapp dessen Schlagader.

Mohammad N. erklärte im ersten Prozess, dass er und zwei seiner Kumpels auf die Idee gekommen waren, „die Polizei zu ärgern“. Er will die Stange geworfen haben, „um das Blaulicht zu treffen“. Für seine beiden Freunde hatte der Wurf keine strafrechtlichen Konsequenzen. Einer von ihnen wurde freigesprochen. Gegen den Dritten, einen 21-Jährigen aus einer stadtbekannten arabischen Großfamilie, wurde das Verfahren eingestellt. Ob N. bald wieder im Kiez unterwegs sein wird, ist allerdings fraglich. Sein Register weist zehn Eintragungen auf. Im jetzt rechtskräftigen Urteil wurde zudem eine frühere Strafe wegen räuberischen Diebstahls einbezogen. K. G.

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