Urteil zu Überfall auf Warschauer Brücke : Brutaler Angriff aus Gewaltlust

Vier Männer schlugen im April auf der Warschauer Brücke wahllos in Richtung Passanten und verletzten einen 32-Jährigen schwer. Das Gericht wertete den Überfall als versuchten Mord.

von

Die Schläger schluckten beim Urteil. Einer von ihnen rieb sich Tränen weg. Ihre Fausthiebe und Tritte waren mehr als Körperverletzung. Zwei der vier jungen Männer, die im April an der Warschauer Brücke Passanten angegriffen und ein 32-jähriges Opfer schwer verletzt hatten, wurden am Donnerstag des versuchten Mordes schuldig gesprochen. Eine Jugendstrafkammer verhängte gegen den 21-jährigen Dustin B. und den 24-jährigen Gregor K. je fünf Jahre und drei Monate Gefängnis. Ein 23-Jähriger soll wegen Körperverletzung für drei Jahre in Haft, ein 21-Jähriger kam mit einem Jahr auf Bewährung davon. Die Staatsanwältin hatte Strafen von bis zu sieben Jahren verlangt.

Sie kamen von einer Party und wollten zur S-Bahn. „Die Gruppe der Angeklagten war hochaggressiv“, sagte der Richter. Sie boxten in Richtung von Passanten, sie pöbelten. „Wir suchen Leute zum Schlagen, zum Trainieren und zum Fitbleiben“, soll Dustin B. gerufen und einen Mann niedergeschlagen haben. Bewusstlos lag Selcuk Y. am Boden, als er mit „wuchtigen Stampftritten ins Gesicht“ traktiert wurde. Ein Täter, so schilderten Zeugen, habe auch noch Anlauf genommen. Selcuk Y. erlitt mehrere Knochenbrüche im Gesicht. Auch sein Bruder sowie zwei weitere Männer, die ihm helfen wollten, wurden verletzt.

Das Motiv war aus Sicht der Richter Lust an Gewalt. Die Anklage war zunächst von versuchtem Totschlag ausgegangen, erkannte dann aber im Laufe des Prozesses niedrige Beweggründe als Mordmerkmal. Das Jugendgericht urteilte: „Wer so auf einen Wehrlosen eintritt, dem ist es völlig egal, ob der Getretene überlebt.“

Die vier Angeklagten aus Hohenschönhausen, die bislang nicht wegen Gewalt aufgefallen waren, schoben die Tat auf Alkohol und Drogen, beriefen sich auf fehlende Erinnerung. Sie können die Prügelorgie offenbar nicht mit ihrem Selbstbild in Einklang bringen, so das Urteil.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

29 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben