Berlin : US-Botschaft räumt Sperren Unter den Linden ab

Ecke am Café Einstein ist erstmals seit dem 11. September wieder offen. Deutsche Sicherheitsexperten: Gefährdung ging leicht zurück

Lars von Törne

Sie gehörten zum Berliner Stadtbild seit den Anschlägen vom 11. September 2001: die Absperrgitter und Betonblöcke an der Ecke Unter den Linden und Neustädtische Kirchstraße. Drei Jahre lang schirmten sie die US-Botschaft ab und wurden zur zentralen Anlaufstelle für öffentliche Bekundungen von Trauer und Mitgefühl ebenso wie für Demonstrationen gegen den Irakkrieg. Jetzt sind die Gitter und Poller verschwunden.

„Wir haben die Sperren abgebaut, um den Fußgängerverkehr zu erleichtern“, bestätigt ein Botschaftssprecher dem Tagesspiegel am Sonntag. Die Kontrollstelle, an der Polizisten bislang direkt an der Straße Unter den Linden prüften, wer zur amerikanischen Vertretung will, wurde um 60 Meter zurückverlegt und befindet sich jetzt direkt vor dem Botschaftsgebäude. Auch wurde, so berichten Anwohner, die Zahl der patrouillierenden Polizisten reduziert.

In deutschen Sicherheitskreisen führt man den Rückzug der Straßensperren darauf zurück, dass die Angst vor Terroranschlägen leicht zurückgegangen sei. Derartige Veränderungen würden nur vorgenommen, wenn Polizei, Verfassungsschutz und der jeweilige Staat, dem die Botschaft gehört, der Meinung sind, dass die Gefährdungseinschätzung sich geändert habe. So seien kürzlich auch vor der Spanischen Botschaft die Polizisten wieder abgezogen worden, die dort seit den Terroranschlägen von Madrid Wache geschoben hatten.

Der Sprecher der US-Botschaft will hingegen nicht bestätigen, dass die Bedrohungslage sich verbessert habe. „Unsere Sicherheitseinschätzung hat sich nicht geändert, wir haben andere Maßnahmen ergriffen, die die weggefallenen Sperren ausgleichen“, sagt er ohne näher auf diese „anderen Maßnahmen“ eingehen zu wollen.

Offiziell unverändert ist die Lage derweil bei der Britischen Botschaft. Die Löcher, die dort kürzlich in die Wilhelmstraße geschlagen worden waren, um neue Absperrpoller zu installieren, sind zwar vorerst wieder zugeteert worden. „Da wurde geschaut, welche Kabel und Rohre unter der Straße verlaufen“, sagt ein Polizist, der das Gebäude bewacht. Im Laufe des Jahres kommen aber die Poller, sagt ein Botschaftssprecher. Dann verschwänden die Betonblöcke, die die Straße behelfsmäßig absperren.

Die Innenverwaltung will sich konkret zu den Maßnahmen an der amerikanischen Botschaft nicht äußern. Die „abstrakte Gefährdung“ durch Terroranschläge sei nach wie vor hoch, sagt Claus Guggenberger, Sprecher von Innensenator Ehrhart Körting (SPD). „In der konkreten Situation aber wird die jeweilige Lageeinschätzung von den örtlichen Sicherheitsbehörden zusammen mit der Botschaft vorgenommen.“ Daraufhin würden Sicherheitsmaßnahmen „verändert und angepasst“.

Mit Erleichterung reagierte der Geschäftsführer des Cafés Einstein, Dieter Wollstein, auf den Abbau der Sperren. Sein Café liegt direkt an der Ecke, im Sommer saßen seine Gäste neben Pollern und Gittern. „Der Anblick ist jetzt viel schöner.“ Einige seiner Gäste dürften jedoch enttäuscht sein, dass mit den Sperren auch der Kitzel des Ausnahmezustands verschwunden ist: „Manche fanden das sehr spannend, direkt an der Sperrzone ihren Kaffee zu trinken.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben