Berlin : US-Fahnen: In der Krise Flagge zeigen

Ingo Bach

Fahnen sind inhaltsschwere Symbole. Sie stehen für Nationalbewusstsein, für die Einheit und Freiheit der Völker - und auch für Solidarität unter den Nationen. Nach den Terroranschlägen gegen die USA werden auch in Berlin deutlich mehr stars & stripes, die amerikanische Nationalflagge, verkauft. Und das werde sich nach den Militärschlägen auch nicht ändern, freuen sich die Fahnenhäuser. Im Gegenteil, so die Händler. "Internationale Konflikte wirken sich immer auf den Fahnenabsatz aus", sagt Thomas Lünser, Mitinhaber des "Flaggenhauses am Alexanderplatz" in Mitte. Auch die Intifada im Nahen Osten verstärkte die Nachfrage nach israelischen und palästinensischen Fahnen. Während der Balkankonflikte waren Nato-Flaggen gefragt, ebenso wie die Nationalsymbole von Serbien.

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Umfrage: Befürchten Sie eine Eskalation der Gewalt? Und so vermerkt auch jetzt das Flaggenhaus einen deutlich gesteigerten Absatz. "Wir verkaufen 70 Prozent mehr amerikanische Fahnen", sagt Lünser. Zwar laufen die stars & stripes auch sonst gut - Country-Clubs oder Truckfahrer brauchen immer Nachschub -, doch in den letzten Tagen zeigten auch solche Leute Flagge, die vorher nicht daran dachten, sich US-Fahnen zuzulegen, für Solidaritätskundgebungen zum Beispiel oder um sie aus den Fenstern zu hängen als Zeichen des Mitgefühls und der Unterstützung für die amerikanische Politik.

Doch nicht nur die amerikanische Fahne erlebt einen reißenden Absatz, auch das Interesse nach afghanischen Flaggen steige, sagt ein Mitarbeiter des "Flaggenhauses". Gerade in den letzten Stunden hätten sich mehrere Anrufer nach den Preisen der Fahnen des fundamentalistischen Staates erkundigt. "24,90 Mark kostet jede Standardfahne in der Größe 60 mal 90 Zentimeter", sagt Lünser - in der Ausführung Polyester und zwei Metallösen.

Das "Flaggenhaus am Alexanderplatz" lässt seine Fahnen in Taiwan nähen. Doch auch in Berlin entstehen die symbolträchtigen Banner. Die "Berliner Stoffdruckerei" in Wedding ist einer von ganzen sechs Produzenten in Europa, wie Geschäftsführer Andreas Geitel stolz vermerkt. Zwischen fünf und sechs Kilometer Fahnen werden täglich im Werksteil in Neukölln bedruckt und im Wedding genäht - ausschließlich für Großkunden. Seit dem 11. September verkaufte die Stoffdruckerei rund 1900 US-Fahnen, "zwei Drittel mehr als üblich", sagt Geitel. Gerade ging ein neuer Großauftrag über 600 Stück ein. Neben denjenigen, die ihre Verbundenheit mit den US-Amerikanern zeigen wollen, sind es vor allem öffentliche Abnehmer. "Als der Beschluss kam, in Berlin aus Trauer Halbmast zu flaggen, haben viele Rathäuser oder Schulen gemerkt, dass sie nicht genug US-Fahnen haben."

Die Afghanistan-Fahne hat die Stoffdruckerei auch auf Lager, allerdings in der offiziellen Version von 1992, also vor der Ära der Talibanherrschaft in Kabul. "Wen sollen wir denn fragen, wie die Fahne jetzt aussieht", sagt Geitel. Und der Absatz ist auch nicht so groß, dass man nun große Recherchen anstellen müsste. "Wir verkaufen im Schnitt zwei Afghanistan-Fahnen - pro Jahr. In der letzten Woche waren es drei." Das "Flaggenhaus am Alex" verkaufte allerdings schon zehn Stück innerhalb einer Woche.

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