Berlin : US-Millionär sitzt wegen Steuerhinterziehung in Moabit

Der 76-Jährige wurde am Flughafen Tegel festgenommen. Das FBI suchte ihn, jetzt soll er ausgeliefert werden

-

Der 76jährige US-Multimillionär und Musikmäzen Herbert R. Axelrod sitzt seit vergangenem Dienstag in Berlin in der Justizvollzugsanstalt Moabit. Dies bestätigte Justizsprecher Michael Grunwald am Sonnabend.

Axelrod kam am Dienstagabend gegen 19 Uhr aus Zürich auf dem Flughafen Tegel an und wurde von Beamten des Bundesgrenzschutzes (BGS) festgenommen: Axelrod wird in den USA mit internationalem Haftbefehl wegen Steuerhinterziehung vom FBI gesucht. Er soll eine große Summe am US-Finanzamt vorbei auf Schweizer Bankkonten untergebracht haben. Da die Schweiz nicht zu den Schengen-Staaten gehört, kontrollierte der Bundesgrenzschutz den Reisenden, der einen österreichischen Pass vorlegte. Er hat eine doppelte Staatsbürgerschaft, bestätigte der Grenzschutz. Bei der Überprüfung der Personalien stießen die Beamten auf den Haftbefehl aus den USA und nahmen Axelrod fest. Anschließend wurde das Bundeskriminalamt eingeschaltet, das die US-Behörden informierte.

„Axelrod sitzt in vorläufiger Auslieferungshaft bei uns in Berlin. Jetzt beginnt das offizielle Auslieferungsverfahren, das ein bis zwei Monate dauern kann“, sagte Grunwald. Die US-Behörden müssten den deutschen Behörden nun Formulare mit einer notariell-beglaubigten Übersetzung liefern, in denen genau aufgeführt ist, was Axelrod zur Last gelegt wird.

Da Steuerhinterziehung in Deutschland strafbar ist, hätten die deutschen Behörden auf den internationalen Haftbefehl reagiert und den Multimillionär festgenommen. Axelrod habe deutsche Anwälte eingeschaltet, sagte Grunwald. Die US-Behörden hatten im April Haftbefehl gegen Axelrod erlassen, woraufhin er zunächst nach Kuba geflohen sein soll, berichtete die New York Times. Das Blatt schrieb, dass Axelrod bis zu fünf Jahren Haft und eine Geldstrafe von 250 000 Dollar drohen. Er hatte seine Millionen als Verleger von Büchern über die Pflege von Süßwasserfischen und Haustierpflege verdient. 2003 hatte Axelrod eine Sammlung seltener Streichinstrumente zu einem Sonderpreis an das New Jersey Symphony Orchester verkauft: für nur ein Drittel ihres Wertes von rund 50 Millionen Dollar.tabu/weso

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar