US-Vertretung : Wer die Botschaft eröffnet, ist noch top secret

Die Gerüste sind gefallen: Die US-Botschaft am Brandenburger Tor ist jetzt erstmals in Gänze zu sehen. Innen sind die Arbeiten aber noch in vollem Gang. Der Festakt zur Eröffnung findet am 4. Juli statt.

Lothar Heinke
US-Botschaft Berlin
Am 4. Juli, dem Nationalfeiertag der USA, öffnet die neue US-Botschaft am Pariser Platz in Berlin. Bei dem Festakt soll auch...Foto: Spiekermann-Klaas

Die neue Botschaft der Vereinigten Staaten wirkt wie aus dem Ei gepellt: Seit die Gerüste gefallen sind, leuchtet der Baukörper strahlend hell. Lang und einförmig zieht sich die Sandsteinfassade von der Behrenstraße gegenüber dem Holocaust-Mahnmal um die Ecke in die Ebertstraße bis fast ans Brandenburger Tor. Mit Hochdruck wird am Innenausbau und im Eingangsbereich am Pariser Platz gearbeitet, um die Repräsentanz am 4. Juli, dem amerikanischen Nationalfeiertag, eröffnen zu können. Damit der Plan eingehalten wird, arbeiteten die Bauarbeiter sogar am Karfreitag und über Ostern. Die Vorbereitungen für den Umzug seien in vollem Gange, heißt es, aber wer am 4. Juli das Band durchschneidet, ist noch top secret, jedenfalls soll es sich dabei um „hochrangige Vertreter aus den USA“ handeln, spekuliert wird auch über US-Präsident George Bush.

Von 500 Botschaftsmitarbeitern werden mehr als die Hälfte ins neue Gebäude ziehen, dort sei „ausreichend Platz, um alle Aufgaben zu erfüllen“. Weitere Standorte sind die Clayallee mit der (ursprünglich für den Neubau vorgesehenen) Konsularabteilung, in Dahlem residieren Teile der Verwaltung. Es sei „eine wunderbare Lage und ein besonderer Platz, und wir freuen uns, an diesen Ort zu gehen“, sagt Botschafter William Timken zum Umzug in den 120 Millionen Dollar teuren viereinhalb-geschossigen Bau des Architekturbüros Moore Ruble Yudell aus Santa Monica. „Wenig originell“ finden Passanten die Architektur des Neubaus, an dessen westlicher Fassade lediglich markisenartige, statische Gitter über den zahlreichen Fenstern für ein wenig Abwechslung sorgen sollen.

Unübersehbar sind die Sicherheitsvorkehrungen: Der ganze Komplex ist nachgerade zugepollert. Die hüfthohen Röhren mit ihrem stahlumwickelten Betonkern ziehen sich vom Gehry-Wohnhaus in der Behrenstraße um die Ecke bis zum Brandenburger Tor an der Ebertstraße. Dort begrenzt ein kompakter Stahlgitterzaun das Botschaftshaus, zwei Dutzend tellerförmige Lampen beleuchten diese Front. Zwischen dem Zaun und den Pollern entsteht ein Fußgängerweg, dies ist städtisches Gelände. Hier werden Bäume gepflanzt, ähnlich wie auf der anderen Seite am Rande des Tiergartens. Sichtbar und hinter Glas bleibt an der Ecke Ebert-/Behrenstraße ein Wandgemälde des im vorigen Jahr verstorbenen Künstlers Sol LeWitt, der für die Botschaft ein Diptychon malte, viereinhalb mal neun Meter groß. Jede Hälfte stellt einen fünfzackigen Stern dar, der eine in kraftvollen Farben, der andere in Schwarz-Weiß.

Mit dem Umzug geht für die bisherige Botschaft in der Neustädtischen Kirchstraße 4/5 eine Ära zu Ende, in diesem Gebäude residierte seit 1977 der US-Botschafter in der DDR. Das markante Gebäude, durch weiträumige Sicherheitsmaßnahmen noch den Blicken entzogen, wurde Ende des 19. Jahrhunderts als Geschäftspalast gebaut und war „Warenhaus für Armee und Marine“. Ab 1935 diente es als „Haus des Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages“, in der DDR saß hier Berlins Handwerkskammer, bis die Amerikaner kamen. Nun geht das Haus zurück an die Bundesanstalt für Immobiliendienstleistungen. Die hat bislang keine konkreten Pläne. Möglich, dass sich der Bund dafür interessiert, ganz nah am Regierungsviertel. „Wenn die Amerikaner ausziehen, können wir die für den Verkehr gesperrte Neustädtische Kirchstraße wieder öffnen“, heißt es bei der Senatsverkehrsverwaltung. Das bedeutet: freie Durchfahrt von den „Linden“ zum Reichstagufer und zur Friedrichstraße. Neue Möglichkeiten also, einen ewig verstopften Straßenzug wenigstens teilweise zu umgehen. Eine weitere Neuerung ist der geplante „Durchstich“ der Französischen Straße über die Wilhelmstraße hinweg in die Hannah-Arendt-Straße. Diese neue Verbindung zwischen Ost und West wird nötig, wenn zum Beispiel die Behrenstraße nahe der neuen US-Botschaft aus aktuellen Anlässen gesperrt werden muss. Eine Dauersperrung wie vor der Britischen Botschaft soll es nicht jedoch geben, „höchstens temporär“. Die Bauarbeiten für das Straßenstück beginnen im Frühjahr 2009, Ende nächsten Jahres soll die neue Verbindung von der Friedrich- zur Ebertstraße fertig und benutzbar sein.

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