US-Vorwahlen in Berlin : Hillary? Bernie?

Das Vorgeplänkel zur Entscheidung über den nächsten US-Präsidenten schwappt bis nach Berlin. An diesem Sonntag laden die Democrats Abroad zur Abstimmung nach Tiergarten.

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Super Sunday. An diesem Sonntag wählen die Demokraten auch in Berlin – wie schon 2008. Foto: Imago
Super Sunday. An diesem Sonntag wählen die Demokraten auch in Berlin – wie schon 2008.Foto: Imago

Im „Red Ballroom“ im Tiergartener ICD House of Arts & Culture ist offensichtlich vor allem der Frohsinn zu Hause, und es wird dazu gerne das Tanzbein geschwungen. Jeden Donnerstag ist in der Genthiner Straße 20 Discofox-Party angesagt, freitags wird zur Ü-40-Party gebeten, am gestrigen Sonnabend stand eine neue, orientalisch inspirierte Party für Schwule, Lesben und deren Freunde auf dem Programm. So lebenslustig geht es dort, studiert man nur das Programm, eigentlich fast immer zu.

An diesem Sonntag aber wird es ernst: Von 15 bis 20 Uhr heißt es nun: „Democrats Abroad Election Day“. Nach dem „Super Tuesday“ mit Vorwahlen der Demokraten und Republikaner zur US-Präsidentschaft in gleich zwölf US-Bundesstaaten nun also, wenn man so will, der „Super Sunday“ von Berlin, in dem die in Berlin lebenden US-Bürger in den Vorwahlen der Demokraten ihr Votum abgeben können. Das könnte durchaus eine politisch bedeutungsvolle wie unterhaltsame Veranstaltung werden, kündigt doch Gwendolyn Lynch Hirsch, aus Kalifornien stammende, in Berlin mit einem Deutschen verheiratete Vorsitzende der Democrats Abroad in Berlin, neben dem rituellen Urnengang auch ein buntes Programm zwischen 17 und 19 Uhr an, mit Comedians und Musikern, Wahlkampf à l’américaine eben. Und dies in einer Stadt, deren Amerikaner traditionell eher den Demokraten als den Republikanern zuneigten, was sich die Vorsitzende auch mit dem liberalen Klima der Stadt erklärt und der sozial-beruflichen Mischung ihrer Landsleute, die eben oft Künstler seien, Ingenieure und ähnliches. Also eher liberalem Gedankengut nahestehend.

Hillary war schon zweimal in Berlin

Ex-Außenministerin Hillary Clinton, von den beiden demokratischen Kandidaten die mit den größeren Chancen, kennt die deutsche Hauptstadt sogar aus eigener Anschauung, war hier bereits 1994 an der Seite ihres Bill bei dessen erstem präsidialen Berlin-Besuch. Im Juli 2014 kam sie erneut und setzte sich bei einer „Zeit“-Matinee im Schillertheater in Szene, damals vorerst nur als Buchautorin. Sollte ihr Widerpart Sanders jemals an der Spree gewesen sein, so hat das zumindest kaum einer registriert. Man stößt zwar bei der Google-Suche auf einen Sanders-Vorwahlkampf-Auftritt in Berlin, allerdings nicht in Berlin, Germany, sondern in Berlin, New Hampshire, einem 10.000-Seelen-Nest am Androscoggin River.

Das sollte die Demokraten unter den etwa 15 000 Amerikanern in Berlin nicht weiter stören, wenn sie an diesem Nachmittag zur Urne schreiten – wie auch ihre ähnlich gesinnten Landsleute in zwölf anderen deutschen Städten. Bei den Republikanern gibt es eine solche Vorwahl speziell für die im Ausland lebenden Anhänger nicht, bei den Demokraten hat sie aber Tradition und erfuhr in Berlin  besonders 2008, beim Zweikampf Hillary Clinton vs. Barack Obama, große Resonanz, wie Gwendolyn Lynch-Hirsch sich erinnert.

Einige 100 Wähler werden erwartet

Über 1000 Mitglieder haben die Democrats Abroad in Berlin, die nun heute, bei der „Global Presidential Primary“, wie in 38 anderen Ländern aufgerufen sind, über ihren Lieblingskandidaten oder die -kandidatin abzustimmen. Einige 100 Wahlberechtigte dürften wohl in die Genthiner Straße kommen, erwartet die Vorsitzende. Es ist aber noch bis zum 8. März auch ein Votum per Brief, E-Mail oder Fax möglich. Nur muss man eben 18 Jahre alt und Mitglied bei den Democrats Abroad, dem offiziellen Übersee-Zweig der US-Demokraten, sein, was aber kein großer Akt ist: Noch im Wahllokal kann man Mitglied werden, und es kostet nicht mal was.

Zwar können Auslandsamerikaner auch per Brief an den Vorwahlen in ihrem Heimatbundesstaat teilnehmen. Doch scheint Gwendolyn Lynch Hirsch die Beteiligung bei den Vorwahlen der Democrats Abroad besonders geeignet, die Interessen der Auslandsamerikaner zur Geltung zu bringen.

Berlin wird bei den Aktivitäten der Democrats Abroad noch einmal eine Rolle spielen, sogar eine führende: Nach einer ganzen Reihe von regionalen und weltweiten Parteikonferenzen, auf denen die Delegierten für den nationalen Parteitag im Juli in Philadelphia bestimmt werden, findet am 14./15. Mai, also am Pfingstwochenende, in Berlin der internationale Kongress der Democrats Abroad statt, mit einigen 100 im Willy-Brandt-Haus tagenden Delegierten. Insgesamt 21 Delegierte werden es schließlich sein, die die Auslandsdemokraten in Philadelphia vertreten, wenn es ein letztes Mal um die Frage geht: Hillary oder Bernie? Die haben dann ein kompliziertes Auswahlsystem hinter sich, 13 werden einem bestimmten Kandidaten verpflichtet sein, die übrigen acht haben nur je eine halbe Stimme, sodass die Auslandsdemokraten doch nur insgesamt 17 Stimmen haben – es gibt wirklich sehr viel einfachere Wahlsysteme als das zur US-Präsidentschaft.

Und wo leben die US-Amerikaner in Berlin?


Steglitz-Zehlendorf 2770
Charlottenburg-Wilmersdorf 2750

Friedrichshain-Kreuzberg 2300
Mitte 2300

Pankow 1880
Tempelhof-Schöneberg 1440

Neukölln 1290
Reinickendorf 300

Spandau 210
Treptow-Köpenick 210

Lichtenberg 200
Marzahn-Hellersdorf 74

Quelle: Amt für Statistik, Berlin 2015

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