Berlin : USA-Flüge: Fluglinie ohne Kunden

Rainer W. During

"Die Dynamik, mit der die USA-Verbindung gefordert wurde, würden wir uns jetzt bei den Buchungen wünschen" sagt Lufthansa-Gebietsverkaufsleiter Steffen Weinstok. Am 26. März starten die Flüge von Berlin-Tegel nach Washington, doch noch ist man mit der Nachfrage für die lukrative Business-Klasse nicht zufrieden. Mit einer "Hundertschaft" von Mitarbeitern ist die Lufthansa dabei, die von Politik und Wirtschaft geforderte Nonstoproute in die Vereinigten Staaten zu vermarkten. "Die große Euphorie stellen wir aber noch nicht fest", sagt Weinstok.

Der USA-Flug sei eher eine Imagefrage für die Hauptstadt als für die Lufthansa, so Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber. Es wäre ein "Gau für Berlin", wenn man die neue Verbindung wieder einstellen müsste. Daran werde zur Zeit aber nicht gedacht. Um die Strecke zum Erfolg zu bringen, muss sie zu 70 Prozent ausgelastet sein. Das kann nur erreicht werden, wenn alle Manager aus Berlin ihre Reisegewohnheiten ändern. Sie sollen bei USA-Trips den Nonstopflug wählen, der in Washington binnen zwei Stunden Anschlüsse in 65 amerikanische Städte hat.

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Im Sommerflugplan steuert die Lufthansa ab Tegel auch den Londoner City Airport und Amsterdam an. Ab Tempelhof wird jeweils samstags nach Venedig gestartet. Mit dem neuen Kooperationspartner Eurowings werden vom Zentralflughafen aus außerdem Dortmund, Münster, Nürnberg und Saarbrücken bedient.

Tempelhof muss als "Überlaufventil" bis zur Eröffnung des neuen Großflughafens geöffnet bleiben, fordert die Lufthansa. Insgesamt bietet man ab Berlin im Sommer wöchentlich 554 innerdeutsche Flüge und 220 Verbindungen ins europäische Ausland. "Unser Ziel ist es, Marktanteile zurückzugewinnen und den Wettbewerb anzuregen", erklärt Steffen Weinstok. "Wir erwarten mit Spannung, wie der Markt auf unsere Vorschussleistungen für Berlin reagiert".

Bei den Langstrecken setzt man dagegen neben Frankfurt verstärkt auf das zweite Drehkreuz München. Berlin Brandenburg International hätte jetzt bereits in Betrieb gehen müssen, um in der Championsleague mitzuspielen, sagt Weber. Jetzt blieben nur noch Chancen in der zweiten Liga. Auch dafür sei es eine Voraussetzung, dass es keinerlei Zusatzgebühr für die Baufinanzierung des neuen Großflughafens gibt. Trotz positiver Entwicklung liege der Ertrag des Berlin-Verkehrs noch immer rund 25 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt, betont Weinstok. Deshalb lehnen die Fluggesellschaften eine solche Gebühr gemeinsam ab. Das "Drehen an jedweder Kostenschraube verhindert den Großflughafen", sagt der Verkaufsleiter.

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