Berlin : Usbekistan ist jetzt Eigentümer des Ballhauses Tiergarten

Jörn Hasselmann

Tiergarten. Nun hat auch Moabit seine Botschaft. Die Republik Usbekistan ist jetzt Eigentümer des bekannten Ballhauses Tiergarten in der Perleberger Straße. Der erst seit zehn Jahren selbstständige Staat will das lange leer stehende Gebäude nun mit Millionenaufwand sanieren. Der Botschafter Vladimir Imamowitsch Norov kündigte an, dass dabei die Belange des Denkmalschutzes gewahrt würden. Am Dienstagabend wurde mit einem Empfang die Schlüsselübergabe in dem Haus gefeiert. Wie berichtet, hatte die Immobilienfirma Gruhl & Partner die Immobilie mit dem 8525 Quadratmeter großen und repräsentativen Grundstück vom Bund erworben. Diverse Interessenten sprangen seitdem ab, niemand schien sich des Ballhauses annehmen zu wollen. Die "Botschaftsbörse", eine vom Land Berlin und dem Bund getragene Initiative vermittelte den asiatischen Staat nun nach Moabit. Usbekistan ist der 99. Staat, der in Berlin einen Standort gewählt hat.

Alle zu dem Empfang Eingeladenen waren erstaunt, in welch gutem Zustand die Räume sind, trotz des jahrelangen Leerstandes. Offensichtlich hatte die direkte Nachbarschaft des Polizeiabschnittes Vandalen abgeschreckt. Das Haus war 1879 als Offizierskasino für das 1. Garde-Feldartillerie-Regiment gebaut worden, dementsprechend repräsentativ ist es. Nur 24 ranghohe Offiziere hatten zu den weitläufigen Speisesälen Zutritt, Kaiser Wilhelm war nicht nur bei der Eröffnung dabei, sondern speiste selbst häufiger mit den Gardeoffizieren. Tiergartens Baustadtrat Porath sagte, dass genau diese Geschichte des Gebäudes für den Botschafter verlockend war. Porath lobte das Engagement Norovs nachdrücklich. Usbekistan ist mittlerweile das 24. Land, das sich Tiergarten als Sitz ausgewählt hat.

Während der Bezirk mit dem "Diplomatenviertel" eine lange Tradition als Standort von Botschaften hat, ist es für den Ortsteil Moabit die erste - aber nicht die letzte. Hiltrud Sprungala von der "Botschaftsbörse" kündigte bei dem usbekischen Abend an, dass drei weitere Länder nach Moabit ziehen werden. Einen Mietvertrag in der Stromstraße 47 hat Mosambique unterschrieben, zudem interessiert sich ein benachbartes Land in dem Haus für eine Etage. Indonesien wird seine Botschaft am 1. Februar in die Lehrter Straße 16 verlegen. Für das Hansaviertel interessiert sich ein mittelamerikanisches Land. Die Botschaftsbörse hat bislang 70 Ländern Grundstücke, Häuser oder Mietverträge vermittelt.

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