Berlin : Vater erschießt Tochter und sich selbst

54-Jähriger verkraftete Trennung seiner Frau nicht. Gericht hatte Umgang mit zweijährigem Kind erlaubt

Tanja Buntrock

Der Mann hatte auf den bestellten Weckruf nicht reagiert. Also klopften kurz darauf Angestellte des Hotels „Sylter Hof“ in Schöneberg am Sonntag um 17.30 Uhr persönlich an die Zimmertür 142. Als im 14. Stock wieder niemand öffnete, verschafften sie sich Zutritt zu dem Raum und machten einen grausigen Fund: Vor ihnen lagen der Hotelgast und seine zweijährige Tochter – erschossen.

Der 54-jährige Hans Z. aus Lübtheen (Mecklenburg-Vorpommern) hatte zuerst seine Tochter Michelle und dann sich getötet. Das haben die Ermittlungen der Kripo ergeben. Das Motiv: Er kam mit der Trennung von seiner Frau, die mittlerweile mit der gemeinsamen Tochter in Berlin lebte, nicht klar. „Der Mann muss sein Kind und sich, unmittelbar bevor die Angestellten ihn gefunden hatten, umgebracht haben“, sagt der Leiter der Mordkommissionen, André Rauhut. Woher der Mann die Waffe hatte, ist bislang noch unklar.

Hans Z. lebte von seiner Frau und der kleinen Tochter seit einigen Wochen getrennt. Die Ehefrau wollte sich scheiden lassen: Ihr Mann soll sie häufiger verprügelt haben. Deswegen war sie auch Anfang Juni mit der kleinen Tochter aus Mecklenburg-Vorpommern in ein Berliner Frauenhaus geflüchtet. „Sie wollte möglichst weit weg von ihm“, sagte eine Betreuerin. Dem Ehemann stand aber per Gerichtsbeschluss ein Umgangsrecht von drei Stunden pro Woche mit der gemeinsamen Tochter zu.

Am vergangenen Sonntag nahm Hans Z. das ihm zugesicherte Umgangsrecht zum zweiten Mal wahr: Es war der Geburtstag seiner Tochter Michelle. Die letzten Stunden spielten sich ungefähr so ab: Er ließ das kleine Kind per Taxi zum Hotel „Sylter Hof“ in der Kurfürstenstraße fahren, wie eine Mitarbeiterin aus dem Frauenhaus dem Tagesspiegel berichtete. Gegen 16 Uhr checkte er mit dem Kind in der Suite 142 im Sylter Hof ein. Für 17.25 Uhr bestellte er den Weckruf. Es scheint, als habe er die Tat schon länger geplant und wollte, dass die Hotelangestellten ihn und das Kind schon bald nach den tödlichen Schüssen finden. Zeugen, die etwas gehört haben, gibt es nicht. In der 14. Etage befinden sich sowohl Hotelzimmer als auch Appartements, die für längere Zeit gemietet werden können. Hans Z. hatte sich mit der Suite 142 für ein solches Appartement entschieden.

Doch was war Hans Z. für ein Mensch, der nicht nur sich das Leben nimmt, sondern auch sein Kind mit in den Tod reißt? Gearbeitet hat Hans Z. als Vertreter für die „Itzehoer Versicherungen“ in Boizenburg, in der Nähe seines Wohnortes. „Der hatte Angst, dass seine ukrainische Frau mit dem Kind nach der Trennung in ihre Heimat zurückgeht“, erzählt eine Anwohnerin. Gerade in den vergangenen Wochen habe er oft über den Kummer über die Trennung gesprochen. Seine kleine Tochter soll er „über alles geliebt haben“.

Doch seine Frau habe unter ihm gelitten, berichtet die Betreuerin im Frauenhaus. „Sie hat den Mann angezeigt, weil er sie mehrfach geschlagen hat.“ Deswegen sei es unverständlich „und aufs Schärfste zu kritisieren“, dass Hans Z. überhaupt ein Umgangsrecht erhalten habe. Hinzu komme, dass seine Frau auch noch hier in Berlin Angst vor ihm gehabt habe: „Er hat ihr gedroht, dass er dem Kind etwas antut“, schildert die Betreuerin. Die Kripo sagt das Gegenteil: Er habe seine Absicht niemandem zuvor angekündigt.

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