Berlin : VBB-Tarife: Vor allem Touristen-Tickets werden teurer

Jörn Hasselmann

Die Tarife im Verkehrsverbund (VBB) sollen nach dem Willen der Verkehrsbetriebe zum 1. August 2001 erneut steigen. Drastische Erhöhungen sind - wie schon in diesem Jahr - bei der Tageskarte geplant. Die AB-Tageskarte soll nach dem Willen der Verkehrsbetriebe von 8,70 Mark auf 11,20 Mark steigen, das sind fast 30 Prozent mehr. Die ABC-Tageskarte soll 13,80 Mark kosten, derzeit sind es 9,90 Mark; ein Anstieg um 40 Prozent.

Während es bei der AB-Einzelkarte bei 4 Mark bleiben soll, könnte der Preis des Einzelfahrscheins für den Bereich ABC von 4,50 auf 5 Mark steigen. Teurer sollen die Monatskarten für Stammkunden werden: AB-Standard von 105 auf 109 Mark, AB-Premium von 120 auf 124 Mark. Der Aufsichtsrat des VBB hat die Pläne bei seiner Sitzung am Dienstagabend aber nicht behandelt, das soll nun beim nächsten Treffen Ende Januar geschehen, sagte VBB-Sprecherin Ingrid Kudirka gestern.

Neben den nahezu alljährlichen Steigerungen haben die im VBB zusammengeschlossenen Betriebe aber auch neue Ideen vorgelegt: So soll die Kurzstrecke für 2,50 Mark (3 U-Bahn-Stationen) durch eine Kiezkarte ersetzt werden, mit der man fünf U-Bahn-Stationen weit fahren kann, der Preis steigt dafür auf 3 Mark. Ganz neu ist eine "Freizeitkarte" für 45 Mark im Monat, die abends ab 18.30 Uhr und am Wochenende gelten soll. Eine derartige Karte gibt es schon im Hamburg, dort kostet sie allerdings nur 37,50 Mark und gilt schon ab 18 Uhr. Dabei können in Hamburg drei Kinder mitfahren, die Berliner wollen sich dieses Bonbon mit weiteren 10 Mark bezahlen lassen, also 55 Mark. Billiger soll die Grundschülerkarte werden: von 60 Mark auf 45 Mark für Kinder unter 12 Jahren.

"Das sind ein paar gute Elemente", lobte Verkehrsstaatssekretärin Maria Krautzberger. Dagegen lehnt die Verkehrsverwaltung die Erhöhung bei den Umweltkarten ab. "Das tut weh", sagte Krautzberger dem Tagesspiegel. Gar nicht weh tut der Verkehrsverwaltung der drastische Anstieg bei den Tageskarten. Denn die werden überwiegend von Touristen gekauft. Schon die Erhöhung der Tageskartenpreise im August dieses Jahres war mit dem Argument begründet worden, "da ist noch Luft" im Preis. "Wir denken an die Berliner und weniger an die Touristen", sagte Krautzberger. Im Vergleich mit anderen europäischen Touristenstädten sei die Tageskarte auch nach der Erhöhung noch attraktiv.

Trotz einzelner positiver Aspekte sei der jetzt vorgestellte Vorschlag der Unternehmen "kein Befreiungsschlag", sagte Krautzberger. Zusätzliche Fahrgäste würden damit kaum gewonnen. "Die Betriebe können sich offensichtlich gar nicht mehr vorstellen, neue Kunden zu gewinnen."

Keine Fortschritte gibt es beim Semesterticket. Seit Jahren feilschen die Verkehrsbetriebe mit Studentenvertretern. Eine Einigung scheiterte an immer wieder neuen Forderungen der studentischen Verhandlungsführer.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben