Berlin : Verärgerte Post bildet keine Zusteller aus

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Aus Ärger über den Senat will die Post in diesem Jahr in Berlin und Brandenburg bei den Zustellern keine Auszubildenden einstellen. Bisher erlernten jährlich etwa 150 Jugendliche den Beruf einer „Fachkraft KurierExpress-Postdienste“. Mit der Weigerung auszubilden reagiere die Post auf die Entscheidung des Senats, sämtliche Behördenpost in Berlin durch die private PIN-AG zustellen zu lassen, sagte gestern Konzernsprecher Manfred Harnischfeger.

Bisher habe die Post weit über den Bedarf hinaus ausgebildet; damit sei jetzt Schluss. Man könne nicht einesteils von der Post gesellschaftspolitisches Engagement verlangen und andernteils den sofortigen Wettbewerb fordern. Das ohnehin schon ausgehöhlte Briefmonopol müsse in seiner jetzigen Form bis 2007 erhalten bleiben, fordert der Postsprecher. Dann könne das Unternehmen auch in Berlin wieder ausbilden. Jetzt solle die PIN-AG diese Rolle übernehmen, da sie auch den lukrativen Auftrag für die Behördenpost erhalten habe. Wie hoch dieser Anteil am gesamten Postaufkommen in der Stadt ist, konnte Harnischfeger nicht sagen.

Nach Angaben des Verdi-Fachbereichsleiters Postdienste, Stephan Teuscher, hat die Post im vergangenen Jahr zwar rund 170 Jugendliche ausgebildet, davon seien aber 156 nicht übernommen worden. Es gebe keinen Bedarf, habe die Post damals argumentiert. Teuscher verweist auf steigende Arbeitszeiten bei den Zustellern, deren Bereiche immer größer würden und die zudem ständig mehr Post, etwa Werbesendungen oder Kataloge, austragen müssten. Vor Weihnachten habe die Post deshalb sogar Aushilfen aus Sachsen und Thüringen holen müssen.

Für heute hat die Gewerkschaft zu einer Demonstration für Ausbildungsplätze aufgerufen. Zwischen 13 und 15 Uhr werden bis zu 400 junge Post-Beschäftigte vor dem Postbank-Gebäude am Halleschen Ufer in Kreuzberg erwartet. kt

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