Berlin : Veranstaltung zum Todestag: Zum Luxemburg-Gedenken werden 100 000 Leute erwartet

Holger Stark

Einer wird diesmal nicht kommen. Olaf Jürgen Staps, der Drohbriefschreiber, der das Gedenken im vergangenen Jahr fast verhindert hätte, sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Zumindest was mögliche Anschläge angeht, wird die traditonelle Gedenkveranstaltung zum Todestag von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht diesmal also ohne Angst verlaufen. Rund 100 000 Teilnehmer erwarten die Organisatoren am kommenden Sonntag wieder, wie schon bei den Malen zuvor. Die Veranstaltung hat in den vergangenen Jahren europaweit Beachtung gefunden; sie gilt mittlerweile als größte Versammlung mit sozialistischer Prägung.

Und noch einer wird diesmal vermutlich nicht mit dabei sein: Gregor Gysi, der langjährige Fraktionsvorsitzende der PDS. Gysi weilt noch bei einem Staatsbesuch in Korea und wird es wohl zeitlich nicht nach Berlin-Friedrichsfelde schaffen. Dafür hat sich die übrige PDS-Spitze wie jedes Jahr pünktlich um 9.15 Uhr auf dem Friedhofsvorplatz verabredet, um gemeinsam gegen 9.30 Uhr Blumen und Kränze nieder zu legen. Ein offizielles Programm gibt es nicht; aus Lautsprechern wird rund um den leicht erhöhten Gedenkstein Arbeiter- und Trauermusik erklingen. Auf dem Friedhofsvorplatz, auf dem im vergangenen Jahr noch wegen Staps intensiv die Taschen kontrolliert wurden, stehen traditionell Stände, die allerlei linkes Schrift- und Kulturgut anbieten. "Das ist keine PDS-Veranstaltung. Wir öffnen nur die Gedenkstätte", sagt PDS-Sprecher Axel Hildebrandt. "Jeder, der eine Beziehung zu Luxemburg oder Liebknecht hat, soll einfach kommen."

In den 90er Jahren hat sich zudem eine Demonstration etabliert, die vom Frankfurter Tor zum Friedhof führt und um 10 Uhr beginnt. Sie vereint die Gruppen links von der PDS: Kleinstparteien wie die MLPD oder die DKP, autonome und Antifa-Gruppen sowie türkische und kurdische Linke. Zwischen 6 000 und 10 000 Leute nahmen an der Demo jeweils teil. In der Vorbereitungsgruppe gab es dabei immer wieder Streit, weil einige orthodox kommunistische Organisationen auch an Lenin erinnern wollen, die Antifa-Gruppen dies aber ablehnen.

Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht wurden am Abend des 15. Januar 1919 in einer Wohnung in Wilmersdorf aufgespürt. Zuvor hatten Rechtsextreme nach dem Scheitern des "Spartakus-Aufstand" ein Kopfgeld auf die beiden Kommunisten ausgesetzt. Noch am gleichen Abend wurde Liebknecht im Tiergarten, Luxemburg nahe des Eden-Hotels erschossen und ihre Leiche in den Landwehrkanal geworfen.

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