Berlin : Veranstaltungen: CONTRA von Ulrich Zawatka-Gerlach

Wer ist in diesen Tagen nicht erschrocken, verwirrt, traurig oder verängstigt? Viele Menschen haben wieder Furcht vor einem Krieg bekommen, andere sorgen sich um steigende Benzinpreise oder fallende Aktienkurse. Das Lebensgefühl hat sich verändert und selbst hartgesottenen Witzereißern ist das Lachen fast vergangen. Man mag derzeit nicht aufs Oktoberfest gehen, die Kabarettisten müssen ihre Texte überprüfen und haben vielleicht wenig Antrieb, ihre Zuschauer aufzuheitern. Das ist wohl so, aber muss den Erwachsenen deshalb gleich die Lust an allen kulturellen und anderen Lebensgenüssen ausgetrieben werden? Dürfen Kinder nicht mehr ausgelassen spielen? Müssen wir uns alle schon jetzt mental auf den Ernstfall vorbereiten?

Für ein, zwei Tage, unmittelbar nach dem ersten Schock, war es sicher richtig, Sport-, Kultur- und Unterhaltungsveranstaltungen aller Art abzusagen, um den Menschen das Nachdenken und das stille Gedenken zu erleichtern. Aber es wäre verkehrt, diese ernste Pause in ein mittelfristiges, halbamtliches "Spaßverbot" umzulenken. Kein Fest zum Weltkindertag, keine Theateraufführung, kein Fußball mehr; das fördert doch nur ein kollektives Angstgefühl, schlimmstenfalls eine hysterische Kriegsvorbereitungs-Mentalität. Da wollen wir nicht hin, das hilft den Opfern nicht und bestraft auch nicht die Täter. Aller Erfahrung nach ist es besser, sich gerade in krisenhaften Situationen am normalen Leben festhalten zu können. Wer auf das Volksfest oder auf den Sportplatz will, weil es ihm hinterher besser geht, der sollte die Möglichkeit dazu haben. Alles andere wäre Entmündigung - wir sind noch nicht auf dem Weg in den Luftschutzkeller.

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