Berlin : Veranstaltungen erinnern an den Autor in Prenzlauer Berg

Simone Leinkauf

Wer Momo kennt, kennt die Geschichte des überaus grausamen Tyrannen Marxentius Communus, der die gesamte Welt nach seinen Vorstellungen neu bauen ließ. Jedenfalls dann, wenn er eine der in Westdeutschland erschienenen Ausgaben gelesen hat. In der DDR gab es Michael Endes Buch "Momo" nur in einer Fassung, in der die Geschichte des roten Tyrannen und seines vergeblichen Versuches die Welt zu ändern, fehlte. Den sozialistischen Machthabern war die Erkenntnis, "dass nun trotz allem eigentlich alles beim alten geblieben war", offensichtlich zu brisant.

Inzwischen wird Momo auch in den Neuen Bundesländern längst in der Originalfassung gelesen, die fehlende Geschichte von Marxentius Communus ist selbst schon Geschichte. Seit zwei Tagen gibt es nun in Ost-Berlin eine Kinderbibliothek mit dem Namen des Autors: Die Kinderabteilung der Stadtbibliothek Prenzlauer Berg an der Greifswalder Straße 87 bekam am Montag vom Bezirksbürgermeister Reinhard Kraetzer (SPD) den Namen "Michael-Ende-Bibliothek" verliehen. Parallel wurde die Ausstellung "Michael Ende - Wegweiser in andere Welten" eröffnet, die bis zum 7. Dezember werktäglich (außer mittwochs) von 10 bis 19 Uhr und samstags von 10 bis 13 Uhr geöffnet ist.

In diesem Rahmen finden Lesungen und Theateraufführungen, Vorträge und am 13. November ein Tag der offenen Tür mit einem Kinderfest statt. Hinzu kommen im November noch drei Veranstaltungen der Volkshochschule Prenzlauer Berg zu Michael Ende. Die Leiterin der Michael-Ende-Bibliothek, Ingrid Mehlhausen, hat es mit Hilfe von Sponsoren geschafft, dass in Prenzlauer Berg nun für Berlin endlich Klassensätze von "Momo" und "Jim Knopf" zur Verfügung stehen. Darüber hinaus sind alle Ende-Bücher - sowohl die Jugendliteratur, als auch die weniger bekannten Dramen und Erzählungen für Erwachsene - in der Bibliothek zu finden. Lesern, die das malerische Werk von Michael Endes Vater Edgar Ende nicht kennen, zeigt die Ausstellung wie sehr sich der Sohn bei seinen Geschichten von den Bildern des Vaters inspirieren ließ.

Für Ingrid Mehlhausen ist mit der Namensgebung und der Ausstellung die Beschäftigung mit dem Autor, der am 12. November seinen 70. Geburtstag gefeiert hätte, nicht zu Ende. Gemeinsam mit dem örtlichen Kulturverein ist ein größeres Projekt geplant - und spätestens zum 100. Geburtstag von Edgar Ende 2001 werden Vater und Sohn wieder im Mittelpunkt verschiedener Aktivitäten stehen.

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