Berlin : Veranstaltungszentrum für die Auferstehungsgemeinde

Michael Brunner

Die Evangelische Kirche lässt die Auferstehungskirche in Friedrichshain bis zum nächsten Jahr zum "Umweltforum Berlin" ausbauen. Nach Entwürfen der Architekten Franz und Joachim Voigtländer erhält die sanierungsbedürftige Kirche bis zum nächsten Jahr 1900 Quadratmeter zusätzliche Nutzfläche. 900 Quadratmeter groß wird ein Bereich aus Büros, die unter der Überschrift "Zentrum Ökologisches Bauen" an kleine Firmen der Planung, Beratung und Bauausführung vermietet werden sollen. Insgesamt 1000 Quadratmeter groß wird ein Veranstaltungs- und Tagungszentrum mit einem Saal und neun Seminarräumen. Hier soll es Kongresse und größere Veranstaltungen rund ums ökologische Bauen geben, dazu Spezialmessen zu umweltfreundlichen Bautechnologien und -materialien.

Am Freitag wurden die Pläne vorgestellt. Die Architekten erhalten die Vorderfront am Eingang und setzen von hinten einen gläsernen Neubau an, der bis zum Dach reichen soll. Geplant sind begrünte Fassadenteile und ein Café mit Terrasse. Die Energie fürs ganze Haus soll aus einem eigenen Blockheizkraftwerk kommen. In den Böden werden moderne Heizungen eingebaut. Für den Umbau stehen insgesamt 13,4 Millionen Mark bereit, etwa zur Hälfte aus Fördertöpfen und zur Hälfte aus Bankkrediten.

Vom Foyer gleich hinter dem Eingang fällt der Blick durch das Kirchenschiff direkt ins Freie. Die Rückwand des Gotteshauses fehlt vollständig, die Gemeinde hat ihren Altar vorsichtshalber in Sicherheit gebracht. Doch die Umgebung der Auferstehungskirche in Friedrichshain erinnert nur auf den ersten Blick an die Fernsehbilder aus aktuellen Kriegsgebieten: Schutthaufen, Container und Bauzäune lassen klar werden, was in der Friedenstraße 83, fünf Minuten Fußweg von der Karl-Marx-Allee los ist: Hier wird gebaut. Ausgeführt wird das Projekt vom gemeinnützigen Verein "Kirchbauhof", der bis 1995 bereits die Heilig-Kreuz-Kirche in Kreuzberg in eine Veranstaltungshalle mit Büros und angebautem Glasturm verwandelt hat. Das kostete 18,5 Millionen Mark und inzwischen ist die Kreuzberger Kirche längst als kulturelle Institution etabliert.

Es gibt dort Konzerte, Lesungen und sogar Film-Premieren. Auf die Frage nach den Gründen für den Umbau der Auferstehungskirche hatte Matthias Roß, der Geschäftsführer des Kirchbauhofs, am Freitag eine inzwischen bekannte Antwort parat: Die Gemeinde sei zu klein geworden - die Kirche mithin zu groß. Zudem gebe es Geldprobleme. Ein Wunder ist das nicht, denn die Auferstehungskirche zählt zum Kreis von 25 Berliner Großkirchen, die in den Jahren zwischen 1890 und 1895 errichtet worden waren. In der Kirche aus rotem Backstein hatten bis zu 1500 Kirchenbesucher Platz, 530 davon allein auf der Galerie. Am 23. November 1943 zerstörte ein Feuer den Turm, ein folgenreiches Ereignis für das Erscheinungsbild der Kirche: Beim Wiederaufbau nach dem Krieg verzichtete die evangelische Kirche auf die Turmspitze und ließ nur ein Kreuz auf den überdachten Turmstumpf setzen. Daran soll sich auch in Zukunft nichts ändern.

"Die Gemeinde bleibt und bekommt ausreichend Platz", sagte Matthias Roß gestern und verwies auf die langwierigen Vorbereitungen für den Kirchenumbau. "1994 haben wir die ersten Anträge für Fördergelder vom Senat bis zur Europäischen Union eingereicht, danach begann ein Behördenmarathon", sagte Roß.

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