Berlin : Verbal-Amok

Gerd Nowakowski

Saarbrücken, immerhin Landeshauptstadt, hat 180 000 Einwohner. Das muss man wohl wissen, um die Äußerungen des SPD-Sicherheitsexperten Dieter Wiefelspütz zu verstehen. Drunten im Saarland hat man vielleicht eine andere Vorstellung davon, was eine Massenveranstaltung ist. Zum Vergleich: Die festliche Eröffnung des Berliner Hauptbahnhofs mit der Laser- und Lichtshow verfolgten am Freitagabend 500 000 Menschen. Man muss wohl auch mit einer Zeitung so weit weg von Berlin sprechen, um unbedacht solche harsche Schuldzuweisung zu formulieren. „Zu klären wird auch sein, warum der Gewalttäter nicht früher gestoppt werden konnte“, sagte der Innenpolitiker, der in der Vergangenheit durchaus besonnene Beiträge lieferte. Es ist schon richtig, dass Journalisten immer nach schnellen Antworten verlangen. Keiner hindert aber Politiker daran, auf dumme Antworten zu verzichten. Der Berliner Polizei jedenfalls kann nach Lage der Dinge kein Vorwurf gemacht werden; sie war wenige Minuten nach dem ersten Alarm am Tatort. Jede Massenveranstaltung birgt Risiken und ein Amoklauf kann nicht vorhergesehen werden. Die schreckliche Tat hätte nur vermieden werden können, wenn neben jedem Besucher ein Polizist gestanden hätte. Kurz vor der WM haben deshalb auch Politiker eine Verantwortung – und wenn die darin besteht, überlegt zu reden. Sonst wird Panik geschürt, wo Besonnenheit nötig wäre.

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