Berlin : Verbeamtung ist leistungsfeindlich

„Um Lehrer zu halten, muss man sie nicht verbeamten, sondern vergleichbar bezahlen. Verbeamtung ist zutiefst leistungs- und innovationsfeindlich, weil zusätzliches Engagement durch nichts belohnt wird. Hinzu kommt, dass die Menschen sich gewissermaßen an den Staat verkaufen: Wenn sie einmal verbeamtet sind, haben sie nicht mehr die Möglichkeit, zwischendurch etwas anderes auszuprobieren, ohne ihren Beamtenstatus zu verlieren. Das hemmt ihre Entwicklung. Besonders verhängnisvoll wirkt sich die Verbeamtung bei den Schulleitern aus: Man wird sie nicht los, wenn sie erschöpft oder erfolglos sind, so dass sie ihre Schulen unter Umständen auf Jahrzehnte schädigen. Da wir wissen, welche Bedeutung ein Schulleiter für die Entwicklung seiner Schule hat, ist klar, welche Konsequenzen es hat, wenn er schwach ist. Noch ein Nachteil der Verbeamtung: Die gesetzliche Besoldungsstruktur, die sich an der Dauer der Ausbildung orientiert, bewirkt, dass der Staat Grundschullehrer stets kürzer ausbildet als etwa Studienräte, um Erstere schlechter bezahlen zu können – ein regelrechtes Kastensystem.“

Jörg Ramseger

ist Professor für Schulpädagogik an der Freien Universität Berlin und arbeitet schwerpunktmäßig auf dem Gebiet der Schulentwicklungsforschung

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