Berlin : Verbissener Streit im Tierheim

Konflikt um Eintritt und neue Gebühren: Geschäftsführerin und Vereinsvorsitzender traten zurück

Christoph Stollowsky

Sollen Besucher des Berliner Tierheimes einen Euro Eintritt zahlen? Und ist es richtig, eine Abgabegebühr von Hunde- oder Katzenbesitzern zu kassieren, die ihr Tier dort loswerden wollen? Im Streit um solche Fragen rund um die finanzielle Absicherung von Europas größtem Tierasyl in Hohenschönhausen sind Berlins oberste Tierschützer heillos aneinander geraten. Am vergangenen Wochenende kam der Konflikt zum Ausbruch: Der 1. Vorsitzende des Tierschutzvereines Berlin, Volker Wenk, trat von seinem Amt überraschend zurück. Die mit Wenk verheiratetet Geschäftsführerin des vom Verein getragenen Tierheimes, Carola Ruff, kündigte mit sofortiger Wirkung.

Beide hatten im Sommer dieses Jahres an der Pforte zum Tierheim am Hausvaterweg 39 Drehkreuze aufstellen lassen, sich dabei aber nach Darstellung des Präsidenten des Tierschutzvereines, Wolfgang Apel, nicht mit dem übrigen Vorstand abgestimmt. Einen Euro Eintritt wollten sie an den Kreuzen kassieren, aber der Verein stoppte die Aktion. Kurz vorher verursachte laut Apel ein weiterer Alleingang Ärger. Dabei führten Wenk und Ruff eine Abgabegebühr von 20 bis 150 Euro ein, gestaffelt nach dem Betreuungsbedarf des Tieres. Diese Gebühr gilt weiter, löste aber unter den 16500 Vereinsmitgliedern Proteste aus.

Hinter dem Zank ums Geld stehen unterschiedliche Ansichten, wie sich Tierschutz am besten fördern lässt. „Wir dürfen unsere Besucher nicht durch Handaufhalten verprellen“, sagt Vereinspräsident Apel, „wir sind doch froh über jeden, der eines unserer Tiere aufnimmt oder einen Hund hierher bringt, anstatt ihn aus Überdruss schlecht zu behandeln.“ Bisher habe die neue Gebühr zwar niemanden verschreckt – „es werden nicht weniger Tiere abgegeben“ – doch Apel hält solche Befürchtungen für realistisch. Wie sensibel viele Menschen selbst auf kleinere zusätzliche Kosten reagieren, erlebten die Tierschützer vor drei Jahren, als sie den Jahresbeitrag um fünf Euro erhöhten. Apel: „Wir verloren bis zu 2000 Mitglieder, meist wegen des Geldes.“

Dass sich Berlins oberste Tierschützer derart verbissen streiten, ist für viele Vereinsmitglieder schwer zu fassen. Denn Volker Wenk und Carola Ruff , die gestern nicht zu erreichen waren, führten das Tierheim 15 Jahre lang: Er als Geschäftsführer bis zur Pensionierung Ende 2003 und danach noch als Vereinsvorsitzender, sie als Vize-Geschäftsführerin und dann als seine Nachfolgerin im Amt. Beide gelten als verdiente Tierschützer. Sie managten erfolgreich den schwierigen Bau des 2001 eröffneten neuen Tierheimes in Hohenschönhausen sowie den Umzug vom Standort Lankwitz und hielten das Unternehmen mit 74 festen Mitarbeitern, rund 800 ständig betreuten Hunden und Katzen und 3 Millionen Euro Kosten pro Jahr in den schwarzen Zahlen – obwohl sich das Heim ohne Zuschüsse überwiegend durch Spenden, Vereinsbeiträge und Erbschaften von Tierfreunden finanziert. Doch die Spendenbereitschaft lässt nach, weshalb der Verein „nach neuen Einnahmequellen“ Ausschau hält. Dabei hat man sich entzweit. Statt am Eingang zu kassieren, will der Vorstand nun verstärkt Mitglieder werben und „analysieren, wie sich das Image verbessern lässt.“ Die Abgabegebühr soll vorerst bleiben.

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