Berlin : Verborgene Schätze

Das Technikmuseum eröffnet am Sonntag seinen Erweiterungsbau – doch der Platz reicht längst nicht aus, um alle Exponate zeigen zu können

Klaus Kurpjuweit

Mit Schiffsmodellen hatte das Deutsche Technikmuseum am Gleisdreieck trotz der Nähe zum Landwehrkanal bislang wenig zu tun. Ab Sonntag wird sich das ändern, wenn zur Eröffnung des 70 Millionen Euro teuren Neubaus endlich Platz ist, alte Dampfpötte oder Kriegschiffe wie das Einmann-Tauchboot „Biber“ zu zeigen. „Lebenswelt Schiff“ heißt die neue Ausstellung. Doch auch wenn das Technikmuseum seine Ausstellungsfläche mit dem Neubau von 14 000 auf 20 000 Quadratmeter erweitert, reicht der Platz noch immer nicht aus, um wirklich alle vorhandenen Schätze zeigen zu können.

In Depots – und damit unzugänglich für Besucher – lagern Ausstellungsstücke und komplette Sammlungen, um die andere deutsche Museen die Berliner lebhaft beneiden. Das Technikmuseum kann beispielsweise weiterhin seine umfangreiche Fahrradsammlung nicht zeigen, rund 400 Exemplare, vom Drais’schen Laufrad bis zum modernen Klapprad. Und die Abteilung Straßenverkehr ist kaum besser dran: Sie umfasst eigentlich mehr als 200 Motorräder (mit einer kompletten Zündapp-Sammlung) sowie knapp 200 Autos, die alle noch auf Besichtigung warten. Unter anderem besitzt das Museum einen De Dion-Dampfwagen von 1883 und einen NSU Ro 80 mit dem ersten Kreiskolbenmotor von 1972. Auch die vollständige Solex-Vergaser-Sammlung, eine Dauerleihgabe, kann noch nicht gezeigt werden.

Vorgesehen war, die Ausstellungsstücke zum Thema Straßenverkehr in den ehemaligen Lagerhallen des Anhalter Güterbahnhofs auszustellen. Der Wiederaufbau der zum Teil zerstörten Gebäude sollte den Ausbau des Museums abschließen. Das war die Planung 1983, als das restaurierte Gebäude der einstigen Markt- und Kühlhallengesellschaft an der Trebbiner Straße eröffnet wurde – mit seiner Pferdetreppe zu den Ställen in den oberen Stockwerken. Danach begann der Wiederaufbau der Lok-Schuppen und des dazwischen liegenden Beamtenbaus. Parallel entstand das Freigelände mit dem Wiederaufbau alter Windmühlen. Danach wäre nun der Güterbahnhof an der Reihe gewesen. Eine Hälfte des so genannten Kopfbaus, der den Krieg einigermaßen unbeschadet überstanden hatte, war für den Bau der U-Bahn-Linie U 7 Ende der 60er Jahre abgerissen worden.

Jetzt ist angesichts der Ebbe in den öffentlichen Kassen an den Wiederaufbau nicht mehr zu denken. Private Interessenten sind vor Jahren abgesprungen, weil die Bahn als Grundstückseigentümer ganz andere Pläne hatte. Nun sucht das Museum weiter nach privaten Partnern. Doch immerhin: Im erhaltenen Teil des Lagerschuppens können wenigstens fast 70 Autos, Motorräder, Kutschen und auch Leichenwagen aus zwei Jahrhunderten gezeigt werden. Wer dagegen die umfangreiche Sammlung des Kommunalverkehrs sehen will, muss fast wieder ein Jahr warten. Immer im September gibt es sonntags offene Türen im Depot an der Monumentenbrücke. Dort bewahrt das Museum Lastwagen, Busse, Straßen- sowie S- und U-Bahnen auf – von der BVG, der Polizei, der Post oder auch der Straßenreinigung.

„Nur“ noch gut ein Jahr gedulden müssen sich die Fans der Luft- und Raumfahrt. Diese Sammlung wird erst vom Frühjahr 2005 an in den obersten Stockwerken gezeigt, an dem bereits der „Rosinenbomber“ aus der Luftbrückenzeit vor der Fassade schwebt.

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