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Verbote gegen Gremium MC und Hells Angels : Mit Eliteeinheit gegen Rockerclubs

Hundertschaften der Polizei sowie die Anti-Terror-Einheit GSG 9 durchsuchten am Mittwoch in mehreren Bundesländern Wohnungen und Treffpunkte organisierter Rocker. Anlass der Razzien ist die Vollstreckung von Verbotsverfügungen des Bundesinnenministers gegen Ableger der Rockerclubs Gremium und Hells Angels in Brandenburg und Sachsen.

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Kutte über dem Arm. Ein Beamter trägt eine Rockerkluft des Clubs Gremium MC. Die berüchtigten Gruppen Hells Angels, Gremium MC und weitere liefern sich blutige Revierkämpfe. Es geht dabei um Drogen, Waffen und Prostitution. Deswegen wurden die Clubs jetzt verboten.
Kutte über dem Arm. Ein Beamter trägt eine Rockerkluft des Clubs Gremium MC. Die berüchtigten Gruppen Hells Angels, Gremium MC und...Foto: dpa

Die Behörden haben am Mittwoch mit einer Großrazzia in mehreren Bundesländern die Verbote zweier Rockergruppen in Sachsen und Brandenburg durchgesetzt. Erstmals verfügte das Bundesinnenministerium ein Verbot gegen einen länderübergreifen aktiven Rockerclub. Betroffen ist der auch in Brandenburg aktive Regionalverband des Gremium MC Sachsen. Die Strukturen und Aktivitäten des Vereins und seiner örtlichen Ableger seien „auf die gewalttätige Gebiets- und Machtentfaltung mit dem Ziel der Begehung von Straftaten“ ausgerichtet, sagte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU). Sein Brandenburger Amtskollege Dietmar Woidke (SPD) erließ gleichzeitig ein Verbot gegen den Ableger der Hells Angels in Frankfurt (Oder) und dessen Unterstützerklub mit insgesamt 30 Mitgliedern.

Woidke sprach von einer „harten Linie“ gegen Rocker, von denen einen schwerwiegende Gefahr für die öffentliche Sicherheit ausgehe. Insgesamt rund 1000 oft vermummte Polizisten durchsuchten 114 Wohnungen, Geschäfte und Treffpunkte in Brandenburg – mit Schwerpunkt im Raum Eisenhüttenstadt, Beeskow, Fürstenwalde und Cottbus – sowie in Berlin, Niedersachsen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Dabei wurde auch die Anti-Terror-Einheit GSG 9 eingesetzt. In Rockerkreisen hieß es, die Aktion sei „eine Law-and–Order-Show“. Man berate über rechtliche Schritte, sagte ein Anwalt. Vereinsverbote werden von Innenministern verhängt, Gerichte schauen sich Begründungen erst eingehend an, wenn der Verfügung widersprochen wird.

Festnahmen gab es am Mittwoch keine, die Razzien dienten nur der Verbotsvollstreckung, so wurden Motorräder, Symbole der Gruppen, Kutten, Macheten, Waffen, Messer, Bargeld, aber auch Testosteron und Amphetamine beschlagnahmt. „Es geht darum, eine Struktur zu zerstören“ sagte Friedrich. Betroffenen Rockern werden in diversen Verfahren versuchter Mord, Körperverletzung, Erpressung, Betrug und Waffendelikte vorgworfen.

Anlass für die Verbote sind blutige Revierkämpfe zwischen Gremium und Hells Angels. Während Letztere inzwischen die Szene in Berlin dominieren, galten der Süden Brandenburgs und das angrenzende Sachsen traditionell als Gremium-Revier. Doch die international gut vernetzten Hells Angels warben im Brandenburger Süden neue Mitglieder – auch abtrünnige Gremium-Männer. Unter Rockern wird das als Provokation gewertet. In Königs Wusterhausen soll ein Gremium-Rocker vor knapp zwei Jahren den Chef der Hells Angels aus Frankfurt (Oder) als „Assi“ beleidigt haben, der Beleidigte gehörte einst selbst Gremium an. Weihnachten 2011 wurden bei einer Racheaktion ein heute 27 Jahre alter Gremium-Anhänger niedergestochen und schwer verletzt. Silvester 2011 wollten sich wiederum 40 Rocker der nun verbotenen Gremium-Dependancen rächen. Nach einer Verwechslung stachen sie einen unbeteiligten Jugendlichen nieder. Der 16-Jährige überlebte nur durch eine Not-OP. „Erst als sie das ohnmächtige Opfer für tot hielten, sollen sie von ihm abgelassen haben und davongefahren sein“, hieß es im Prozess gegen vier Gremium-Männer aus Cottbus und Plauen, der derzeit streng geschützt stattfindet. Parallel wird in Potsdam verhandelt: Angeklagt ist ein Hells Angel, der Weihnachten 2011 besagten Gremium- Rocker niedergestochen haben soll.

Nach den Auseinandersetzungen hatten die Sicherheitsbehörden ihr Vorgehen verschärft. Seit Monaten wurden Beweise gesammelt. Es gab mehrere Razzien und es wurden Belohnungen für Hinweise ausgesetzt. Zugleich haben die Hells Angels in Berlin und Brandenburg ihre Vormachtstellung ausgebaut, laut Ermittlern sogar in ganz Ostdeutschland. Im Milieu geht es laut Ermittlern um Drogen, Waffen und Prostitution. Rocker arbeiten oft als Türsteher. So haben sie Einfluss darauf, welche Geschäfte in Diskos und Bars laufen.

Schon am Dienstagabend hatten Berliner Beamte vor einem Vereinheim der Hells Angels in Weißensee mehrere Männer kontrolliert und Messer sichergestellt. Der Osten gilt als Rockerhochburg.

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