Verbotene Liebe : Wo das Ordnungsamt ganz genau hinschaut

31.07.2012 09:27 Uhrvon

Ein Händler bekommt wegen seiner minimalistischen Flaschenetiketten Ärger mit dem Ordnungsamt. Es ist nicht das erste Mal, dass die Behörden einem kreativen Projekt einen Riegel vorschiebt.

Schwerpunkteinsätze der Ordnungsämter

Der Streit um die Flaschenetiketten ist einer von vielen, bei denen Betroffene mit den Ämtern ringen: So wurden jahrelang die von Bürgern – ebenfalls mit Liebe – bepflanzten Baumscheiben gerodet, weil wildes Gärtnern nicht vorgesehen war. Und als im vergangenen Herbst in der Kreuzberger Falckensteinstraße eine Art Trödel- Regal namens „Givebox“ auftauchte, drohte das Ordnungsamt, das Ding als ungenehmigte Sondernutzung öffentlichen Straßenlandes zu liquidieren. Doch beide Fälle gingen im Sinne der Bürger aus: Mehrere Bezirke beraten inzwischen die Anwohner, wie man Baumscheiben fachkundig bepflanzt, ohne den Bäumen zu schaden. Und die „Givebox“ durfte zu einem nahen Nachbarschaftszentrum umziehen.

Drin ist, was gut ist? Von wegen! Foodwatch enthüllt die wahren Lebensmittelskandale:

Was jedoch die Hauptarbeit der Ordnungsämter ausmacht, zeigt eine aktuelle Mitteilung des Stadtrates Carsten Spallek (CDU) aus Mitte. Dessen Amt hat im Juni zahlreiche Schwerpunkteinsätze absolviert. So seien bei 422 Kontrollen in Gaststätten, Shisha-Cafés, einer Disko und einem Hostel 138 Vergehen gegen Jugend- oder Nichtraucherschutz sowie Gaststätten- und Spielhallengesetze festgestellt worden. Zwei Shisha-Cafés seien geschlossen worden. Außerdem hätten die Ordnungsamtler auf der Fanmeile und dem Alexanderplatz viele Jugendliche mit Tabak oder Alkoholika aufgegriffen. Im Straßenverkehr hätten 53 Radfahrer gleich an Ort und Stelle Strafe gezahlt. Hinzu seien rund 350 Falschparker gekommen, 300 davon in verkehrsberuhigten Bereichen. Bei weiteren Kontrollen seien zusätzliche 3113 Ordnungswidrigkeiten im Straßenverkehr festgestellt worden. Die Bilanz der 114 Parkschein-Kontrolleure stellt jedoch alles in den Schatten: Sie erwischten mehr als 66 000 Parksünder – und lieferten einmal mehr den Beweis, dass viele Autofahrer lieber ein Knöllchen für fünf Euro einkalkulieren, statt die Parkgebühren von ein bis drei Euro pro Stunde zu bezahlen.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung erleichtert ihren Mitarbeitern jetzt den Blick über den Behördentellerrand: Senator Michael Müller (SPD) verabschiedete am Montag symbolisch rund 30 Untergebene, die in den nächsten Monaten Praktika in den Verwaltungen von Helsinki, Warschau, Paris und Wien absolvieren. Die Reisen werden mit mehr als 60 000 Euro über die EU-Kommission gefördert.

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