Verbraucher : Ost-Wasserpreise erheblich über Westniveau

In Berlin und Brandenburg und den restlichen östlichen Bundesländern suchen Verbraucher oft vergeblich nach preiswerten Angeboten. Verbraucherschützer fordern nun eine Regulierungsbehörde für Wasser.

Berlin - Die Wasserpreise in Berlin und Brandenburg liegen zum Teil beträchtlich über dem preiswertestes Angebot in Deutschland. Eine erstmalige Aufstellung der Wasserpreise in allen deutschen Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern zeigt, dass vor allem im Osten die Kosten mitunter erheblich über dem Westniveau liegen.

Das habe vielfach mit den Netzsanierungen nach der Wende zu tun, sagte Holger Krawinkel von der Verbraucherschutzzentrale in Berlin. In den Planungen der neuen Netze sei vielfach die Bevölkerungsentwicklung zu optimistisch eingeschätzt worden. Dadurch wären die neuen Leitungen oft zu groß und zu teuer und müssten nun von weniger Nutzern abbezahlt werden. Krawinkel erinnerte daran, dass 90 Prozent der Wasserkosten für die Netzinfrastruktur anfallen.

Bis zu 200 Euro mehr als in Ingolstadt

In Deutschland haben den Angaben zufolge die jeweiligen Wasserversorger Monopolstellungen. Zudem sei deren Preisgestaltung äußerst intransparent, sagte Krawinkel. Er forderte in diesem Zusammenhang eine Regulierungsbehörde für Wasser. Zugleich sprach er sich aber gegen eine Liberalisierung des Wassermarktes aus. Wasser sei Lebensmittel, dessen Transport über lange Strecken in Rohrsystemen wenig Sinn mache.

Laut der Studie ist das Wasser für Privathaushalte in Bayern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein am preiswertesten. In Berlin zahlt den Angaben zufolge ein Zwei-Personen-Haushalt bei einem Tagesverbrauch von 250 Litern rund 90 Euro im Jahr mehr als in Ingolstadt. Auch in Brandenburg liegen die Preise erheblich über dem günstigsten Angebot. In Potsdam bewegen sich die Wasserkosten in etwa auf dem Niveau der Hauptstadt. In Cottbus hingegen hätten die Verbraucher "nur" 72 Euro Mehrkosten im Vergleich zu Ingolstadt zu tragen. Am teuersten ist Wasser in Thüringen. In Zwickau, Gera und Jena würden Verbraucher über 200 Euro mehr zahlen.

"Spiegel Online" hatte für den Preisvergleich drei Szenarien zur Grundlage genommen. Neben den jeweiligen Wasserpreisen für Single- wurden auch die Zwei-Personen- und Mehr-Personen-Haushalte verglichen. Dabei seien die Kosten für Abwasser nicht berücksichtigt worden. (tso/ddp)

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