Berlin : Verbund bildet aus, Agentur sucht sozial Schwachen Arbeit

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Lehrstellen für Jugendliche, Arbeit für Sozialhilfeempfänger: Zwei Projekte zogen gestern Bilanz.

"Für uns ist die Ausbildung von Jugendlichen eine Investition in die Zukunft, wir schulen unsere Führungskräfte von Morgen", sagt Dieter Gilsbach. Neun Azubis hat der Chef des Spandauer Ikea-Möbelhauses in diesem Jahr eingestellt. Zwölf sollen es 2000 werden, mit steigender Tenden. Leider denken nicht alle Unternehmer so wie er und gerade kleinere Firmen schrecken vor dem Aufwand eines Lehrbetriebes zurück. Ihnen will der Regionale Ausbildungsverbund unter die Arme greifen und so zum 1. Februar rund 30 Lehrstellen schaffen.

Im Verbund übernehmen Leitbetriebe Teile der Ausbildung und organisatorische Aufgaben, die kleinere Unternehmen nicht bewerkstelligen können. Kleine und mittelständische Betriebe, die sonst nicht ausbilden würden, sollen so zur Schaffung von Lehrstellen animiert werden. Der "Dienstleistungsteil" wird dabei vom Senat gefördert. Berlinweit konnten so in diesem Jahr 771 zusätzliche Ausbildungsplätze in über 360 Firmen geschaffen werden.

26 Azubis in 18 Partnerbetrieben betreut der Spandauer Verbund mit dem Evangelischen Johannesstift als Leitbetrieb. 18 weitere Jugendliche wurden in andere Bezirke oder Förderprogramme vermittelt. Weil jetzt noch Mittel für Nachzügler bereit stehen, hat man eine neue Kampagne gestartet und versucht, zum 1. Februar gemeinsam mit den Kooperationspartnern, dem Jugendaufbauwerk und dem Verein Bildung und Integration, noch mindestens 30 zusätzliche Ausbildungsplätze zu schaffen.

500 Spandauer Betriebe wurden um Unterstützung gebeten. "Ausbildung ist die beste präventive Jugendarbeit", sagt Jugendstadträtin Ursula Meys, die im Rahmen eines Aktionstages heute ebenso wie Bürgermeister Konrad Birkholz in Banken und Firmen für die Initiative werben wird. Denn noch sind allein im Bereich des Arbeitsamtes West, zu dem Spandau zählt, noch 1300 Jugendliche ohne Ausbildungsplatz. Unternehmen, die helfen möchten, können sich unter Telefon 336 09 160 oder im Internet unter www.RAVSpandau.de informieren.

In Neukölln zog unterdessen die seit einem Jahr bestehende Beschäftigungsagentur eine Zwischenbilanz. Danach vermittelten die 13 Beschäftigten des Projekts in den vergangenen zwölf Monaten 216 ehemaligen Sozialhilfeempfängern Jobs auf dem freien Arbeitsmarkt. Rund 400 wurden in öffentlich geförderten Beschäftigungsprojekten untergebracht und arbeiten nun unter anderem im Gartenbau, in Seniorenheimen, Jugendheimen, Bibliotheken und Schulen. Angesichts der Vermittlungsschwierigkeiten "eine positive Bilanz", sagte der Leiter der Beschäftigungsagentur Stefan Grande.

Zwei Drittel der Sozialhilfeempfänger, die das Sozialamt-Süd zu der Agentur schickt, hätten keine abgeschlossene Berufsausbildung, ein großer Teil spreche nur schlecht Deutsch. Zum Teil seien die Menschen, die es zu vermitteln gilt, auch nicht willens. Bei einigen jugendlichen Sozialhilfeempfängern gelte es als "uncool, irgendwelche Arbeit anzunehmen", sagte Grande. In einigen Fällen schränke das Amt dann seine Leistungen ein. Es gebe aber auch viele, die sich engagieren, um von der "Stütze" wegzukommen.

Die Beschäftigungsagentur Neukölln wurde vor zwölf Monaten als Modellprojekt mit dem Ziel ins Leben gerufen, Sozialhilfeempfängern Arbeit zu verschaffen. Die Mitarbeiter beraten im Auftrag des Sozialamts. Aquisiteure machen zudem bei Berliner Betrieben freie Stellen ausfindig. Die 216 Vermittelten wurden unter anderem als Kfz-Schlosser, Bauhelfer, Kraftfahrer Gebäudereiniger und in der Gastronomie beschäftigt. Grande schätzt, dass der Bezirk durch die Vermittlung rund 1,5 Millionen Mark eingespart hat. Unternehmen, die Sozialhilfeempfänger einstellen, bekommen einen Lohnkostenzuschuss bis zu 30 000 Mark. Insgesamt haben sich 3500 Menschen in sozialer Not von der Beschäftigungsagentur beraten lassen.

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