Berlin : Verdacht: Polizei schlug Fan

Tunesier beschuldigt Beamte und Ordner

Frank Jansen

Ein tunesischer Fußballfan wirft Ordnern der Fanmeile sowie Beamten der Bundespolizei vor, ihn misshandelt zu haben. Er sei am Abend des 14. Juni, am Rande des Spiels Tunesien gegen Saudi-Arabien, nach einem Wortgefecht mit einem Deutschen von Security-Leuten über ein Absperrgitter gezogen und zum Brandenburger Tor geschubst worden, berichtete der 20-jährige Semer Ben B. gestern dem Tagesspiegel. Bei einem der Stöße sei er gestürzt und seine Brille sei zerbrochen.

Nach dem Vorfall habe er versucht, bei der Polizei eine Anzeige aufzugeben. Der Fahrer eines Polizeiwagens habe ihn aber weggeschickt.

Bei der Heimfahrt mit der S-Bahn sei er am Bahnhof Ostkreuz ausgestiegen, weil dort üblicherweise die Bundespolizei mit einem Transporter steht. Hier habe er Anzeige erstatten wollen, sagte der seit einem halben Jahr in Berlin lebende Semer Ben B. Doch auch diese Beamten hätten ihn wegschicken wollen. Als er in seiner Empörung „Scheiß-Polizei“ sagte, hätten ihn zwei Beamte geschlagen und „Scheiß-Türkei“ gesagt.

Bei Polizei und Bundespolizei hieß es, die Vorwürfe seien bekannt und würden ernst genommen. Gegen die Ordner der Fanmeile und die zwei Beamten der Bundespolizei hat Semer Ben B. Anzeige wegen Körperverletzung erstattet. Die Bundespolizisten haben ihn wegen Beleidigung angezeigt. Die Beamten bestritten, Semer Ben B. geschlagen zu haben, sagte ein Sprecher der Bundespolizei.

Noch am 14. Juni gelang es dem Tunesier, bei einer Dienststelle der Polizei die Anzeigen aufzugeben. Am nächsten Tag habe sich das Landeskriminalamt gemeldet, sagte Semer Ben B.

Drei Beamte seien mit ihm zur Fanmeile gegangen, um die beschuldigten Ordner ausfindig zu machen. Er habe einen Security-Mann mit einer markanten Frisur erkannt, die Beamten hätten dann länger mit dem Ordner gesprochen. Über mögliche Konsequenzen konnte die Polizei dem Tagesspiegel nichts sagen.

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