Berlin : Verdacht: Vorteilsnahme

Ermittlungen gegen designierten Staatssekretär Michael Krausz

Susanne Vieth-Entus

Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den designierten Berliner Wissenschaftsstaatssekretär Michael Krausz wegen des Verdachts der Vorteilsnahme. Das bestätigte gestern die Berliner Senatsverwaltung für Wissenschaft dem Tagesspiegel. Weder Krausz noch Wissenschaftssenator Thomas Flierl (PDS) hätten von den seit 2001 bestehenden Vorwürfen Kenntnis gehabt, da verdeckt ermittelt worden sei.

„Erst durch die Übersendung der Personalakte haben wir erfahren, dass gegen Herrn Krausz ermittelt wird“, berichtet Flierls Sprecher Torsten Wöhlert. Allerdings sei dort nicht zu erkennen gewesen, um welche Vorwürfe es ging. Es habe sich in der Akte außerdem der Vermerk befunden, dass der Mediziner nicht über die Ermittlungen informiert werden dürfe. So ein Hinweis gehöre eigentlich nicht in eine Personalakte, meint Wöhlert. Auch die Tatsache, dass derart lange verdeckt ermittelt werde, sei ungewöhnlich. Die Art und Weise, wie dieses Verfahren betrieben werde, sehe nicht „koscher“ aus, meint Wöhlert. Deshalb habe Flierl beschlossen, erstmal an Krausz festzuhalten. Er gehe davon aus, dass die Staatsanwaltschaft bis Jahresende die Vorwürfe geklärt habe. Dann werde über die Ernennung entschieden.

Laut Hamburger Staatsanwaltschaft wird dem Suchtmediziner und einem weiteren Professor des Universitätskrankenhauses Eppendorf vorgeworfen, finanzielle Zuwendungen von Pharmafirmen in Millionenhöhe angenommen zu haben. Dies hatte die leitende Hamburger Oberstaatsanwältin Marion Zippel gestern dem RBB-Hörfunk bestätigt. Das Ermittlungsverfahren sei durch eine anonyme Anzeige ausgelöst worden. Am 27. Oktober habe man sowohl die Diensträume als auch die Privatwohnungen der Beschuldigten durchsucht, sagte Zippel.

Krausz sollte bereits zum 1. Oktober 2003 ernannt werden und damit die Nachfolge von Peer Pasternack antreten, der wegen der rigiden Sparpolitik des rot-roten Senats sein Amt aufgegeben hatte.

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