Verdi fordert mehr Pfleger und Schwestern : Tarifgespräche an der Charité starten neu

Die Universitätsklinik hatte nach Protesten 80 Extrapfleger zugesagt - reicht das? Derweil rückt Matthias Kollatz-Ahnen, neuer Finanzsenator, in den Charité-Aufsichtsrat.

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Proteste vor dem Bettenturm in Mitte hat es in der Charité-Geschichte immer wieder gegeben.
Proteste vor dem Bettenturm in Mitte hat es in der Charité-Geschichte immer wieder gegeben.dpa

Der Charité steht ein ereignisreiches Jahr bevor. Der Bettenturm in Mitte wird grunderneuert, in den Aufsichtsrat rückt mit Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) der neue Finanzsenator nach, aber vor allem starten an diesem Mittwoch erneut schwierige Tarifgespräche. Erst im Juni hatten sich Schwestern und Pfleger der Gewerkschaft Verdi mit dem Charité-Vorstand auf einen vorläufigen Kompromiss geeinigt. Nun sollen Ergebnisse einer Beobachterkommission ausgewertet werden – Kernfrage: Arbeiten an der Charité genug Schwestern und Pfleger?

Charité-Schlichter mahnten „spürbare Verbesserungen“ an

„Wir gehen konsequent in neue Verhandlungen, weil es bislang kaum Verbesserungen gab“, sagte Carsten Becker mit Blick auf die 80 Zusatzpflegekräfte, die der Charité-Vorstand vergangenen Juni zugesagt hatte. Becker gehört der Verdi-Tarifkommission an. Dem Vernehmen nach sind von 80 Extrakräften rund 60 tatsächlich auf den Stationen der Universitätsklinik beschäftigt. Doch weil die Zahl der Patienten seit Jahren steigt, hat das die fast 4500 Schwestern und Pfleger offenbar kaum entlastet. Die Verdi-Verhandler an der Klinik fordern einen Personalschlüssel von einer Schwester auf fünf Patienten in den Normalstationen. Wegen knappen Personals häuften Schwestern und Pfleger jahrelang Überstunden an. Vorausgegangen war dem Kompromiss vom Juni die Empfehlung zweier Schlichter. Sie hatten empfohlen, so viele Kräfte anzustellen, bis es „spürbare Verbesserungen“ für jeden Mitarbeiter gebe.

Kollatz-Ahnen kommt in den Aufsichtsrat

Die landeseigene Charité steht wie viele Krankenhäuser unter Spardruck. Die Klinikleitung hatte sich deshalb oft mit Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) gestritten. Wenn Nußbaum seinen Posten am Donnerstag verlässt, wird er sein Mandat im Charité-Aufsichtsrat abgeben. Das Universitätsmedizingesetz schreibt vor, dass „das für Finanzen zuständige Mitglied des Senats“ als eines der zehn stimmberechtigten Mitglieder dem Gremium angehört. Kollatz-Ahnen (SPD) wird also übernehmen.

Hoffnung setzen die Pflegevertreter aber eher in den künftigen Krankenhausplan von Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU). Der Plan regelt ab 2016, welcher Klinik wie viele Betten zustehen. Schwestern und Pfleger an der Charité wollen, dass dabei die Personallage berücksichtigt wird – solche Qualitätskriterien im Plan zu verankern, hatte Czaja nicht ausgeschlossen.

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