Berlin : Verdi will über Charité-Streik abstimmen

Universitätsklinikum muss schon Anfang nächster Woche mit Ausstand des Pflegepersonals rechnen

Hannes Heine

Nach dem Abbruch der Tarifverhandlungen mit der Charité hat die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ihre Mitglieder beim größten deutschen Universitätskrankenhaus zur Urabstimmung aufgerufen. Gegen 11 Uhr werde am heutigen Mittwoch im Charité-Hauptgebäude in Mitte mit der Stimmabgabe begonnen, teilte die Gewerkschaft gestern mit. Bis Freitag sollen Pfleger, Techniker und Verwaltungsangestellte über einen Streik entscheiden. Bei einer Urabstimmung müssen laut Verdi-Satzung 75 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder im Betrieb für einen Ausstand stimmen, bevor mit Arbeitsniederlegungen begonnen werden kann. Schon Anfang nächster Woche müsse dann mit Streik gerechnet werden, hieß es aus Gewerkschaftskreisen.

Verdi und der Beamtenbund hatten die zweijährigen Verhandlungen mit der Charité nach 26 Gesprächsrunden ergebnislos abgebrochen. Die Krankenhausleitung bedauerte die Entscheidung. „Wir bleiben verhandlungsbereit“, sagte Charité-Sprecherin Kerstin Endele gestern. Der Vorstand der Charité hatte sich bereit erklärt, bis Ende 2011 auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Geplant war nach Auskunft der Klinik außerdem, die Beschäftigten an einem möglichen positiven Geschäftsergebnis zu beteiligen. Bis zu 50 Prozent eines Jahresüberschusses sollten an die Mitarbeiter ausgezahlt werden. „Wir waren bereit, die zentrale Forderung der Gewerkschaften zu erfüllen und die Überleitung in den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD) stufenweise zu vollziehen“, teilte Krankenhausdirektor Behrend Behrends mit. Eine Übernahme der im TVöd vorgesehenen finanziellen Regelungen sei nach Auskunft der Gewerkschaft von der Klinikleitung nicht vorgesehen gewesen. „Die Charité hat mit ihrem Angebot Gehaltserhöhungen bis 2013 ausgeschlossen“, sagte Verdi-Sekretär Werner Koop. Die etwa 14 000 nichtärztlichen Charité-Beschäftigten hätten seit 2002 keine Gehaltserhöhungen erhalten und dadurch jährlich mit 20 Millionen Euro zur Sanierung des Klinikums beigetragen, hieß es von Verdi. Er glaube, Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) wolle die Charité kaputtsparen, sagte Koop.

Um „Schäden bei Patienten“ zu vermeiden, hat Verdi der Klinik für den Fall eines Streiks eine Notdienstvereinbarung vorgelegt. Die Ärzte in der Charité werden nicht streiken. Das Krankenhaus hatte schon im April dieses Jahres mit der Ärztegewerkschaft Marburger Bund einen vorläufigen Tarifvertrag abgeschlossen. Mit mehr als 15 000 Mitarbeitern ist die Charité nach der Deutschen Bahn zweitgrößter Arbeitgeber in Berlin.

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