Berlin : Vereierbechert

Bernd Matthies

sinniert über letzte große Entscheidungen Übers Sterben kann man ja gar nicht genug nachdenken. Einen guten Eindruck machen bis zuletzt, das gilt uns als wichtig, und deshalb spielt das Aussehen des Sargs naturgemäß eine große Rolle. Eiche, Fichte, Schleiflack weiß, Griffe vergoldet oder aus sachlichem Edelstahl – das sind Grundsatzentscheidungen, die beim Sarg nicht weniger sorgfältig getroffen werden wollen als bei der heimischen Schrankwand, die uns ja längst nicht so lange begleiten muss.

Insofern ist die Sarg-Ausstellung bei Dussmann und im Dom tätige Lebenshilfe. Doch sie wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet. Gewiss: Ein handgeschnitzter Benz, das passt gut zu unvorsichtigen Rasern, denen der Tod das Lenkrad vor der Zeit aus der Hand genommen hat. Doch was werden die Trauergäste denken, wenn der Verstorbene in einem riesigen Fisch aus der Kirche geschleppt wird? Muss der in Deutschland weltbekannte Designer Luigi Colani nun nach allem anderen auch noch Särge vereierbechern?

Zum Verbrennen im Krematorium sind jedenfalls all diese Einzelstücke viel zu schade. Aber auch das Verbuddeln in der märkischen Erde wird ihnen nicht gerecht. Wie wäre es mit einem gläsernen Grab zum dauernden Betrachtenkönnen? Luigi Colani erfindet so was garantiert sehr gern.

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