Verein Berliner Kaufleute und Industrieller : Eine Gala der besonderen Art

Mit Sir Simon Rattle Abend essen oder als VIP zu Hertha? Beim VBKI gibt es einiges zu ersteigern.

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Eine Führung durch die verborgenen Ecken der Philharmonie und Dinner mit Sir Simon Rattle? Gibt's ab 8000 Euro.
Eine Führung durch die verborgenen Ecken der Philharmonie und Dinner mit Sir Simon Rattle? Gibt's ab 8000 Euro.Foto: Britta Pedersen/dpa

Das wird mal eine Charity-Gala der anderen Art. Am 2. November lädt der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) zum ersten Mal zu einer Auktionsgala ins Hotel Adlon unter dem Motto „Wir für Berlin“. Rund 200 Gäste dürfen teilnehmen an einem eleganten Dinner in Anwesenheit von Sir Simon Rattle. Bevor sie sich anmelden, sollten sie zwei Voraussetzungen erfüllt haben.

Ein Blick ins Gewissen sollte erbringen, dass der unbedingte Wille zum Engagement tatsächlich vorhanden ist, und ein weiterer Blick auf den Kontostand sollte bestätigen, dass die tatkräftige Beteiligung an der Auktion ohne Probleme und besten Gewissens möglich ist.

VBKI-Geschäftsführer Udo Marin ist optimistisch, dass er die richtige Runde zusammenbringen kann. Anfragen hat er schon jetzt reichlich: „Es gibt in Berlin doch genug Leute aus der Wirtschaft, die gutes Geld verdienen und wenig Gewese darum machen.“ Und das sind in der Regel nicht die üblichen aus Film und Fernsehen bekannten Prominenten.

Dafür sind es Leute, die durchaus ernsthaftes Interesse haben könnten an einem der Lose, die zwischen 1000 und 20.000 Euro kosten. Ein Hauskonzert der Philharmonie etwa gibt es auch im schicksten Laden nicht zu kaufen. Wer da zuschlägt, kann sich mit Musikern der Berliner Philharmoniker und Stipendiaten der Orchester-Akademie zu einem Konzert im eigenen Haus verabreden. Es könnte aber auch ein Firmenchef seine Jubiläumsfeier auf diese Weise adeln, schlägt Marin vor, um die Fantasie etwas anzuregen. Das Startgebot liegt bei 10.000 Euro.

Attraktive Lose waren nicht die schwierigste Herausforderung

Ein Teil des Erlöses dieses Abends geht an das VBKI-Bildungsnetzwerk, ein anderer Teil kommt der Orchesterakademie der Philharmoniker zugute. Wer mitmacht, hat aus Sicht des Auktionators Kilian Jay von Seldeneck doppelten Grund, sich zu freuen: Einerseits über das Los, andererseits über die Gewissheit, zwei wichtige Berliner Förderprojekte unterstützt zu haben. Die Orchesterakademie geht auf Herbert von Karajan zurück, der damit hochbegabte Nachwuchsmusiker auf den Beruf des Orchestermusikers vorbereiten wollte. Einige Stipendiaten werden bei dem Galaabend auch auftreten.

Das Bürgernetzwerk Bildung koordiniert zum Beispiel über 2100 ehrenamtlich engagierte Lesepaten. „Wir wollen denen, die sich engagieren, eine Plattform bieten. Und gemeinsam werden wir uns weiterhin anbieten – mit Rat, wo er gewünscht ist, und mit Tat, wo sie vonnöten ist“, beschreibt Präsident Markus Voigt das umfassende Engagement des Vereins.

Den Aufwand, einen solchen Galaabend zu organisieren, habe er vielleicht etwas unterschätzt, gibt der Geschäftsführer Udo Marin zu. Attraktive Lose zu bekommen, war dabei nicht mal am schwierigsten. Aber in so einer Gala steckt eben auch eine Menge bürokratischer Aufwand, wenn am Ende alles so elegant und einfach und selbstverständlich wirken soll.

Hauskonzert. Das Los für Simon Rattle und Kollegen gibt es ab 10.000 Euro.
Hauskonzert. Das Los für Simon Rattle und Kollegen gibt es ab 10.000 Euro.Foto: dpa

Ab 2000 Euro kann man als Statist in der Deutschen Oper auftreten

Die Idee für diesen Abend kam ursprünglich vom Auktionator Kilian Jay von Seldeneck vom Kunsthaus Lempertz, der kürzlich erst mit dem Art Dinner der Bürgerstiftung Berlin kooperiert hat. Als Konkurrenzveranstaltung sieht Marin seinen Abend aber gar nicht. „Wir haben eine ganz andere Zielgruppe und auch einen ganz anderen Rahmen.“ Er finde die Arbeit der Bürgerstiftung unbedingt unterstützenswert und ihre Erfolge nötigten ihm professionellen Respekt ab.

Die guten Drähte, die VBKI-Präsident Markus Voigt und Udo Marin in die Wirtschaft haben, führten dazu, dass relativ schnell ein attraktives Auktionsprogramm zustande kam. Ab einem Startgebot von 2000 Euro darf bieten, wer als Statist in „La Bohème“ in der Deutschen Oper auftreten und an diesem Kunstgenuss auch vier mitzubringende Verehrer teilhaben lassen möchte.

Und wer sicher gehen möchte, dass er das Heimspiel Hertha BSC gegen den FC Bayern nicht verpasst, kann zehn Vip-Plätze im Olympiastadion ersteigern. Das Drama auf dem Rasen wird er dann höchst gepflegt bei köstlichem Catering genießen. Da werden sich sicher einige Bieter finden, die ab 3000 Euro die Hand heben.

Auch mit im Pot: Ein Dinner mit Sir Simon Rattle

Ab 5000 Euro gibt es ein ganz besonderes Dinner in der Villa der Weberbank zu ersteigern. Beim Kreieren eines Drei-Gänge-Menüs für 20 Gäste mit dem Sternekoch Markus Semmler darf der Besitzer dieses Loses nämlich mithelfen, und kann sich gleich ein paar Tricks abschauen. Ab 5000 Euro ist man dabei im Bieterkreis.

Auch dieser Preis dürfte Begehrlichkeiten wecken: Nach einer Führung an die verborgenen Orte der Philharmonie und einem Konzert der Berliner Philharmoniker gibt es gemeinsam mit Sir Simon Rattle ein extra für diesen Abend komponiertes Menü am Chef’s Table im Restaurant Tim Raue. Wer das möchte, darf ab 8000 Euro mitbieten

Klar, dass bei solchen Angeboten die Gästeliste schon etwas sorgfältiger zusammengestellt wird. Wenn jemand einen Igel in der Tasche einschmuggeln will, wird die Einlasskontrolle ganz furchtbar zu piepen anfangen.

Wer sich ausreichend geprüft hat, kann Interesse an einer Teilnahme über info@vbki.de bekunden. Für das „wunderbare Projekt“ bedankte sich auch der Regierende Bürgermeister Michael Müller bereits mit einem Grußwort. Wie es dann weitergeht, wird sich nach der Veranstaltung erweisen. Udo Marin könnte sich auch vorstellen, so eine Gala, wenn sie überhaupt wiederholt wird, alle zwei Jahre zu veranstalten. Das hängt, wie in der Wirtschaft üblich, vom Erfolg ab.

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