• Verein erinnert an Juden in Pankow: Jutta Limbach und Christa Wolf gehören zu den Initiatorinnen

Berlin : Verein erinnert an Juden in Pankow: Jutta Limbach und Christa Wolf gehören zu den Initiatorinnen

Ein neuer Verein will das jüdische Lebens erforschen. Er will ein Signal für Toleranz und für Solidarität mit Menschen jüdischen Glaubens setzen, wie die Initiatoren mitteilten. Schirmherrin ist die Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts und ehemalige Berliner Justizsenatorin, Jutta Limbach. Dem Verein gehören unter anderen Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) und die Schriftstellerin Christa Wolf an.

Die Mitglieder wollen vor allem die Erinnerung an jüdisches Erbe in Pankow wachhalten. Dazu schaffen sie im ehemaligen Jüdischen Waisenhaus in der Berliner Straße, das derzeit renoviert wird, eine Gedenkstätte. Im historischen Betsaal, der weitgehend originalgetreu wiederhergestellt werden soll, sind ab Frühjahr 2001 Ausstellungen, Konzerte und Gespräche geplant.

Nach Darstellung Jutta Limbachs will die Initiative versuchen, "von unten" das Miteinander von Juden, Christen und Menschen ohne religiöse Bindung zu befördern. Die Erfahrung lehre, dass "abgehobene Reden nicht viel bringen", betonte sie unter Hinweis auf die aktuellen Diskussionen um das Vorgehen gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus. Wichtiger sei es, miteinander ins Gespräch zu kommen und sich gegenseitig die Lebensgeschichten zu erzählen.

Ihr Engagement habe jedoch auch einen persönlichen Hintergrund, sagte die Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts. Sie sei in Pankow groß geworden und habe dort den größten Teil ihrer Kindheit und Jugend verbracht. Außerdem war ihr Vater von 1946 bis 1948 der letzte sozialdemokratische Bürgermeister des Bezirkes vor der Teilung der Stadt.

Das Jüdische Waisenhaus in Pankow war 1882 eröffnet worden und wurde 1912/13 durch einen Neubau ersetzt, der derzeit rekonstruiert wird. Der prachtvolle Betsaal im zweiten Obergeschoss des Gebäudes nahe dem S- und U-Bahnhof Pankow war vom jüdischen Zigarettenfabrikanten Josef Garbaty gestiftet worden. Zeitweise beherbergte das Haus bis zu 100 Kinder.

Unter dem Druck der Nazis musste es Ende 1940 geräumt werden. Zwei Jahre später wurde es von der SS beschlagnahmt. Viele der in Pankow lebenden Juden wurden in Vernichtungslager deportiert. Etwa 580 wurden dort ermordet. Zählte die Jüdische Gemeinde 1933 in dem Bezirk noch 2100 Mitglieder, so waren es mit Kriegsende noch 144.

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