Berlin : Vereine sollen ihre Grundstücke kaufen

HANS TOEPPEN

Pacht steigt auf jeden Fall - gegliedert nach Sportarten? VON HANS TOEPPEN

Berlin.Auch die Sportvereine der Stadt sollen dem Senat künftig finanziell unter die Arme greifen.Gerade hat die Sparklausur eine "angemessene sportartendifferenzierte Erhöhung" der Nutzungsgebühren für landeseigene Flächen beschlossen.Dahinter steckt der nur vorsichtig formulierte Gedanke, daß vor allem reiche Vereine mehr zahlen sollen als bisher.Es versteckt sich aber noch ein weiteres finanzielles Kalkül darin: Je höher die Pachtgebühren steigen, desto eher wird ein Verein auf den Gedanken kommen, sein Grundstück gleich zu kaufen.Finanzstaatssekretär Peter Kurth bestätigte jetzt das dringende Interesse seiner Verwaltung, sportliches Pachtgelände an die Vereine zu verkaufen.Der Grund ist klar: Es kommt Bargeld in die Kasse.Und die Bedingungen sind auch klar: Der Grundstückshandel muß für beide Seiten "interessant" sein. Der Haken ist also der Preis."Deutlich unter dem für Wohnungsbau", sagt Kurth.Mehr sagt er vorsichtshalber nicht, "es gibt nämlich bisher keinen Markt für Sportgrundstücke".Allerdings gibt es Anhaltspunkte aus dem Grundstückshandel zwischen dem Land Berlin und dem Bund und aus den Flächenverkäufen des Bundes: mindestens 40 Mark für den Quadratmeter nackte Sportfläche, 120 Mark etwa für das Reichssportfeld oder 400 Mark für ein Reitstallgelände - alles pro Quadratmeter.Bei einem 5000-Quadratmetergelände und einem Preis von 100 Mark käme also eine halbe Million in die Landeskasse.Das sieht nicht nach sehr viel aus.Umgekehrt würde der Finanzsenator beim gegenwärtigen Nutzungsentgelt aber rund 170 Jahre brauchen, um das gleiche per Pacht zu kassieren. Die Pacht wird allerdings steigen.Ob der neue Satz den Vereinen die Tränen in die Augen treiben wird, ist noch nicht geklärt.Über Zahlen wird nicht geredet.Im vorigen Jahr war das Entgelt gerade erst von 30 auf 60 Pfennig pro Quadratmeter erhöht worden - wohlgemerkt im Jahr.Das macht für ein 5000-Quadratmeter-Gelände gerade einmal 3000 Mark aus.Wie sehr die Vereine dabei von der Sportförderungspolitik des Senats profitieren, macht ein Vergleich mit dem Bund deutlich: Der nimmt mindestens 2,50 Mark für den Quadratmeter - im Monat. Bei den gleichmäßigen Sätzen soll es auf keinen Fall bleiben."Differenzierung" heißt die Parole der Stunde."Wir wollen weg von der Rasenmäher-Methode", sagt der Staatssekretär und nimmt einen Satz in den Mund, vor dem der Senat bisher immer in volle Deckung gegangen ist: die bisherige Pacht sei "verdeckte Subventionierung" des Sports.Der Satz stammt vom Berliner Rechnungshof.Ob künftig nun Vereine mit hohen Aufnahmegebühren und hohen Mitgliederbeträgen mehr bezahlen sollen, Motorbootfahrer mehr als Segler, Tennisspieler mehr als Fußballer, Reiter mehr als Volleyballer: Niemand will darüber etwas sagen.Die Sportverwaltung lehnt die "Sportarten-Differenzierung" ohnehin ab.Sie will nur von "Differenzierung" reden.Vom Rechnungshof gibt es immerhin den Vorschlag, bei einem hohen Anteil an Kindern und Jugendlichen Ermäßigungen zu gewähren. Bis Ende September soll die Sportverwaltung ihre Vorstellungen vorlegen: 1.Über differenziert erhöhte Gebühren, 2.über höhere Entgelte bei gewerblicher Nutzung auf einem Sportgelände, 3.über eine "intensivierte Vermarktung von Werbemöglichkeiten" und 4.über eine "Stärkung des Erwerbswillens der Vereine" zugunsten spürbarer Einnahmeverbesserungen. Nur eines will die Finanzverwaltung nicht, wie sie sagt.Kurth erklärt, er habe nie gesagt oder gedacht, daß Wassersportvereine sich Grundstücke außerhalb der Stadt suchen sollten.

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