Berlin : Vereint gegen Einkaufszentrum

Schlachtenseer gründen zwei neue Protestinitiativen

Rainer W. During

Im Dauerstreit um die Bebauung des ehemaligen Güterbahnhofs Schlachtensee gibt es jetzt neuen Widerstand gegen das geplante Einkaufszentrum: Gleich zwei Bürgerinitiativen kämpfen gegen das Shopping-Center und den siebenköpfigen „Initiativkreis Schlachtensee“, der als Befürworter des Baus gilt. Durch den Bau des Zentrums mit zwei großen Einkaufsmärkten, weiteren Verkaufsflächen für Geschäfte und einem Ärztehaus befürchten die Gegner massive Nachteile für die ruhige Villensiedlung an der Breisgauer Straße. Dem siebenköpfigen „Initiativkreis Schlachtensee“, der bislang als einzige Anliegervertretung galt, werfen die engagierten Bürger vor, nur eigene Interessen zu vertreten.

Er selbst werde mit seiner Apotheke in Flächen des Einkaufszentrums ziehen, damit sich dort kein Konkurrent ansiedele, sagt der Sprecher des Initiativkreises, Bernd von Lehmann. Viele der örtlichen Ladenbesitzer erhofften sich vom Center auch eine Belebung der eigenen Umsätze. Und der Verkehr werde nur bedingt zunehmen. Denn der Aldi-Markt, der bereits auf dem Gelände Flächen habe, werde nur in neue Räume umziehen, und die geplante Reichelt-Filiale einen vorhandenen Edeka-Laden ersetzen.

Dass es auch um viel Geld geht, belegt ein Gutachten der Forschungsstelle für den Handel: Mit rund 105 Millionen Euro im Jahr liegt die Kaufkraft in dem Viertel um 25 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Doch das meiste Geld geben die Schlachtenseer bisher nicht in ihrem Kiez aus. Die Kaufkraftbindungsquote von mageren 28 Prozent könnte durch das Einkaufszentrum fast verdoppelt werden.

Steglitz-Zehlendorfs Baustadtrat Uwe Stäglin (SPD) bezeichnete das aktuelle Konzept als den Versuch, einen Ausgleich zwischen allen Betroffenen herzustellen. Doch das gestaltet sich schwierig. Wie berichtet, hat die Vivico, eine Immobilientochter des Bundeseisenbahnvermögens, die K.O.O.P. Beteiligungs- und Anlagengesellschaft mit den Planungen beauftragt. Sie gehört dem Berliner Projektentwickler Torsten Birlem, der bereits das ähnliche Cladow-Center betreibt. Mehr Verkehr werde es nur in der Breisgauer Straße geben, sagte Birlem. Die Projektgegner glauben das nicht. Sie halten das Zentrum nach wie vor für überdimensioniert und befürchten ein Verkehrschaos in den ruhigen Wohnstraßen. Als Alternative wird ein Platz mit Brunnen, Spielplatz, Café sowie Jugend- und Senioreneinrichtungen gefordert.

„Wir haben bereits 600 Unterschriften gesammelt“, sagte Joachim Kressner von einer der beiden neuen Initiativen nun. Er bekomme umgekehrt spielend 1000 Unterstützer zusammen, konterte Apotheker von Lehmann. Im Rathaus werden derweil die im Rahmen der Bürgerbeteiligung eingegangenen Stellungnahmen abgewogen. Das Ergebnis wird Anfang kommenden Jahres vorgestellt. Die Center-Gegner planen für Januar eine eigene Bürgerversammlung und fordern eine erneute Diskussion.

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