Vereinte Nationen in Berlin : Ein Palast für die UNO

Das Palais am Festungsgraben in Mitte ist eins der geschichtsträchtigsten Häuser Berlins - doch größtenteils ungenutzt. Ein Verein will das ändern.

Julia Beil
Das Palais am Festungsgraben liegt mitten im historischen Zentrum von Berlin. Nun soll es zu einem Zentrum der UN werden.
Das Palais am Festungsgraben liegt mitten im historischen Zentrum von Berlin. Nun soll es zu einem Zentrum der UN werden.Foto: Thilo Rückeis

Gerade einmal einen Tag alt war der Verein "Haus für die Vereinten Nationen", als der Vorstand gestern zusammenkam, um Presse und Öffentlichkeit über seine Ziele zu informieren. Im historischen Schinkelzimmer erklärten die Mitglieder, wie genau sie sich die Erschließung des Palais vorstellen - und was der Eigentümer, das Land Berlin, dazu sagt.

Warten auf endgültiges "grünes Licht"

Zu einer Begegnungsstätte, einem Dialog-, Kommunikations- und Informationszentrum soll das Palais werden. Zusammenbringen will der Verein dort die Berliner Zivilgesellschaft und die Vereinten Nationen (UN). Schon im letzten Jahr hatte sich die Initiative mit diesem Ziel formiert, nun nimmt sie zunehmend Gestalt an. Mittlerweile hat der seit dem 24. Februar bestehende Verein 248 Unterstützer, prominente Namen darunter sind der ehemalige Bundesminister Klaus Töpfer, der frühere Kultursenator Volker Hassemer und der Bundestagspräsident a.D. Wolfgang Thierse. Die Vorstandsmitglieder haben große Pläne und Elan - sie warten lediglich auf eine politische Willenserklärung des Senats. Der arbeitet kontinuierlich an einem Gesamtnutzungskonzept für die Berliner Liegenschaften. Erst, wenn im Rahmen dieses Konzepts auch die Zukunft des Palais am Festungsgraben verhandelt wird, könne man dem Verein die Zusage für eine Nutzung des Gebäudes geben. Das teilte das zuständige Tochterunternehmen des Landes, die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM), dem Vorstandsvorsitzenden Rolf Kreibich mit. Der ist aber optimistisch - trotz des Wissens um die oft langsam mahlenden Mühlen der Berliner Bürokratie. Sein Verein sei bisher in den zahlreichen Gesprächen, die man mit Senatsmitgliedern, dem Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte Christian Hanke oder der Senatsbaudirektorin Regula Lüscher geführt habe, auf "keinerlei Widerstand" gestoßen. Auf endgültiges "grünes Licht" warten die Vereinsmitglieder aber noch: "Es wäre schön, wenn der Senat sich zu dem Projekt bekennt und die Chance, die darin für Berlin liegt, erkennt", sagt Vorstandsmitglied Stephan Dömpke von der Nichtregierungsorganisation "World Heritage Watch" (WHW).

Eine "erlebbare" UN in der Hauptstadt

"Erlebbarer und sichtbarer" solle die UN in der Hauptstadt werden, sagt Ekkehard Griep von der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN). Dafür sei der Standort des Palais optimal. Die Nähe zum Humboldt-Forum, zum Gorki-Theater und zur Museumsinsel sei ein großer Vorteil: "Wir sind hier mitten im lebendigen Zentrum Berlins, wo das Leben sprudelt". Grieps Vorstandskollege Thomas Mattusek, ehemaliger Leiter der Ständigen Vertretung Deutschlands bei den UN, erachtet eine Repräsentation der UN in Berlin für absolut notwendig: "In den Hauptstädten werden die politischen Diskurse geführt", sagt er, "und der Diskurs zwischen der UN, ihren zahlreichen Unterorganisationen und der Zivilbevölkerung ist in Deutschland etwas unterentwickelt". Welche Aktivitäten zum Beispiel im Rahmen des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen durchgeführt würden, sei vielen Bürgern völlig unbekannt, sagt auch Stephan Dömpke, Geschäftsführer des Vereins. Und im "riesigen Apparat UN" finde man darüber auch schwer etwas heraus. Eine "Lotsenfunktion" solle das Zentrum deshalb bekommen, sagt Dömpke. Dem offiziellen deutschen UN-Standort Bonn wolle man nichts wegnehmen, im Gegenteil: "Wir treten in keiner Weise in Konkurrenz mit dem dort ansässigen UN-Campus", sagt Rolf Kreibich, "Bonn ist UN-Hauptstadt und soll das auch bleiben".

Globale und kommunale Ebene treffen aufeinander

Wissenschaftler, Studenten, Journalisten, die interessierte Öffentlichkeit - diese Zielgruppen sollen durch Veranstaltungen verschiedenster Art angesprochen werden. Konkret stellt sich Rolf Kreibich zum Beispiel vor, Vertreter der UN, die nach Deutschland reisen, um im Auswärtigen Amt diplomatische Gespräche zu führen, bei dieser Gelegenheit auch für einen Vortrag ins Palais einzuladen. Thomas Matussek fände einen Erfahrungsaustausch zwischen UN-Mitarbeitern und Kommunalpolitikern oder lokalen Akteuren interessant. Ihm schwebt dabei zum Beispiel eine Diskussion über internationale Perspektiven auf Flüchtlingspolitik zwischen (ehemaligen) UN-Vertretern und Berlinern, die in diesem Bereich Erfahrungen gemacht haben, vor. Dabei träfen dann die globale Perspektive der UN und die kommunale Berliner Sicht aufeinander, sagt Matussek - das verspreche, spannend zu werden. Außerdem sei unter anderem eine Ausstellung zum Thema Vereinte Nationen geplant. Auch das Theater im Palais am Festungsgraben soll erhalten werden - und eventuell, wenn es nach den Vorstandsvorsitzenden geht, von Zeit zu Zeit auch das Thema UN aufgreifen.

Auch Büros sollen entstehen

Doch das Palais soll nicht nur für vereinzelte Veranstaltungen genutzt werden: Der Verein möchte die Räumlichkeiten auch Nichtregierungsorganisationen und Unterorganisationen der UN als Büros zur Verfügung stellen. Als Beispiele führte Thomas Matussek Greenpeace, Amnesty International und Transparency International an - mit einigen von ihnen seien bereits entsprechende Gespräche geführt worden.

Sanierungsarbeiten in Millionenhöhe

Die Finanzierung der Vereinsaufgaben soll durch selbst eingeworbene Mittel erfolgen. Rolf Kreibich veranschlagt für die dringend erforderlichen Sanierungsarbeiten sieben bis neun Millionen Euro. Um eine "Super-Sanierung", wie er sie bezeichnet, zu stemmen - dazu würde unter anderem das Aufbrechen verschiedener alter Fresken in dem historischen Gebäude gehören - würden gar 20 bis 25 Millionen Euro benötigt.

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