Berlin : Verfahren gegen 81-jährigen Vater eingestellt

Ein Schlendrian beim Wechseln von Windeln führte gestern zu einem Prozess gegen ein außergewöhnliches Elternpaar: Der Vater ist 81 Jahre alt, die Mutter beging gerade ihren 40. Geburtstag, der gemeinsame Sohn ist jetzt vier Jahre alt. Die Anklage ging von einem Fall von Kindesmisshandlung durch Unterlassen aus. Da an einem Tag im Juni 2006 die Windeln nicht mit der gebotenen Häufigkeit gewechselt wurden, habe der Junge offene Wunden am Po erlitten.

Der Vater aus Steglitz war empört: „Es scheint eine Kampagne gegen uns zu laufen“, sagte er. Er sei trotz seines Alters sehr wohl in der Lage, seinen kleinen Sohn zu betreuen. „Und es kommt immer mal vor, dass ein Kind wund ist.“ Eine Kita-Mitarbeiterin konnte sich erinnern, dass die Haut des Jungen an jenem Tag an mehreren Stellen bereits blutig gewesen sei. Allerdings hatte diese Beobachtung nicht zur Anzeige geführt. Es war der betagte Vater, der für seine damals drogenabhängige Ehefrau eine Therapie suchte und um Hilfe bat. Der Junge kam zu Pflegeeltern. „Ich bin entsetzlich bestraft worden“, klagte nun der Rentner. Der Richter erklärte ihm: „Ihre Frau muss zeigen, dass sie ohne Drogen leben kann.“ Nicht Gleichgültigkeit, sondern Überforderung habe zur Nachlässigkeit beim Wechseln der Windeln geführt, stand für das Gericht fest. Das Verfahren gegen die Eltern wurde eingestellt. K. G.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben