Verfahren gegen Priester : Erzbistum sucht Namen von Missbrauchsopfern

Priester Peter R. soll vielfach Missbrauch begangen haben. Das Erzbistum Berlin bittet nun die Opfer um ihre Namen.

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Im kirchlichen Bereich gab es viele Missbrauchsfälle.
Im kirchlichen Bereich gab es viele Missbrauchsfälle.dpa

Der Priester Peter R. lebt in Berlin und ist seit 2003 pensioniert. Einen ungestörten Ruhestand genießt er allerdings nicht. Dem früheren Jesuitenpater, der von 1970 bis 1982 am Berliner Canisius-Kolleg gearbeitet hat, werfen viele Menschen vor, sie als Kinder oder Jugendliche zwischen 1970 und 1988 sexuell missbraucht zu haben. Dem Erzbistum Berlin liegen diese Beschuldigungen vor, allerdings nur in anonymisierter Form. Deshalb ruft das Erzbistum auf seiner Homepage die Opfer auf, ihre Vorwürfe namentlich zu wiederholen (E-Mail: Konsistorium@erzbistumberlin.de, das Bistum sichert absolute Vertraulichkeit zu).

Das kirchliche Gericht im Erzbistum Berlin, das Konsistorium, hat im Auftrag der Glaubenskongregation in Rom ein Verfahren gegen den Priester eingeleitet. Das Erzbistum teilte mit, „dass zur Erstellung einer Klageschrift der kirchliche Anwalt, dem weltlichen Gericht vergleichbar, belastbare und zuordenbare Aussagen von Zeugen und Betroffenen“ benötige.

Peter R. gilt als einer der beiden Haupttäter des Missbrauchsskandals am angesehen Canisius-Kolleg. 2010 hatte dessen damaliger Rektor, Pater Klaus Mertes, in einem Brief an etwa 500 ehemalige Schüler des Gymnasiums geschrieben, dass mindestens zwei katholische Patres in den 70er und 80er Jahren die Straftaten begangen hätten. Juristisch sind die Missbrauchsvorwürfe verjährt.

Peter R. wurde wegen eines Missbrauchs-Falls verurteilt

Trotzdem gibt es bereits ein Urteil gegen Peter R. Das Kirchengericht des Erzbistums Berlin hat ihn im November 2013 zu einer Geldstrafe in Höhe von 4000 Euro verurteilt. Außerdem wurde ihm untersagt, den Gottesdienst zu feiern. Doch diese Strafe hatte nichts mit dem Canisius-Kolleg zu tun. Bestraft wurde der Priester, weil er nach Ansicht des Gerichts viele Jahre zuvor in Hildesheim eine Minderjährige sexuell missbraucht hatte.

Dort hatte Peter R. als Pfarrer gearbeitet, und dieser Umstand ist ein Beispiel dafür, wie die Kirche damals mit Missbrauchsvorwürfen umgegangen ist. 1981 hatten Schüler des Canisius-Kollegs dem damaligen Schulleiter Missbrauch durch Peter R. vorgeworfen. Der wurde daraufhin von seinem Orden nach Göttingen versetzt. Dort arbeitete er nach Angaben der Betroffenen-Initiative „Eckiger Tisch“ bis 1989 als Dekanats-Jugendseelsorger. Dann wurden auch in Göttingen Vorwürfe gegen ihn laut. P. wurde wiederum versetzt, diesmal nach Hildesheim. 1994 wurde er aus dem Jesuitenorden entlassen, das Bistum Hildesheim erklärte sich aber bereit, ihn weiter als Pfarrer zu beschäftigen. Bis 1997 arbeitete er in Hildesheim. 2010 wurde öffentlich bekannt, dass R. die Minderjährige in Hildesheim missbraucht haben soll.

Nach 1997 war Peter R. nach Angaben des „Eckigen Tischs“ in Wolfsburg und in Hannover tätig.

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