Verfahren vor dem Abschluss : Haftstrafe im Pokerraub-Prozess gefordert

Er überließ die „Drecksarbeit“ den vier Jungräubern, sagte der Ankläger. Für den mutmaßlichen Drahtzieher des Pokerraubs wurde nun eine Haftstrafe gefordert.

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Ibrahim El-M., genannt „Ibo“, sei als ein Drahtzieher des Überfalls auf die Pokerrunde im Hyatt-Hotel zu verurteilen, sagte der Ankläger. Sechs Jahre und vier Monate Haft wegen schweren Raubes forderte die Staatsanwaltschaft am Dienstag gegen den 30-Jährigen. Er hatte eine Führungsrolle, hieß es. Die Verteidiger beantragten keine konkrete Strafe. Sie sollte aber erheblich niedriger bemessen werden, als von der Anklage verlangt. Das Landgericht verkündet das Urteil voraussichtlich am 13. Dezember.

Ibrahim El-M. hatte nach einjähriger Prozessdauer im August überraschend sein Schweigen gebrochen. „Die Anklage ist im Wesentlichen richtig“, ließ er über einen seiner Anwälte verlesen und belastete den mitangeklagten Mohamed Abou-C. schwer. Der Mann, der „Momo“ genannt wird, habe ihm von dem Turnier erzählt und von dem vielen Geld, das dort offen rumliegen würde“. Der 32-jährige Abou-C. bestritt dagegen die Vorwürfe. Gegen Abou-C. wird seit einigen Wochen gesondert verhandelt. El-M. gab inzwischen 22 000 Euro Beute zurück.

Vier Jung-Räuber waren am 6. März 2010 in die Pokerrunde gestürmt. Die jugendlichen Täter erbeuteten rund 242 000 Euro. Bis heute ist nur ein Bruchteil wieder aufgetaucht. Ibrahim El-M. gab zu, dass er die Truppe organisiert hatte. Nach seiner Version hatte Mohamed Abou-C. die Idee zu dem Überfall. El-M. war von zwei der bereits verurteilten Jung-Räuber belastet worden. Aus Sicht seiner Verteidiger soll die lange Untersuchungshaft unter verschärften Bedingungen erheblich strafmildernd berücksichtigt werden. El-M. sei psychisch erkrankt. Die Anwälte appellierten auch an das Gericht, El-M. Haftverschonung zu gewähren.

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