Berlin : Verfahren

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VON TAG ZU TAG

Werner van Bebber erinnert

an die Utopien der 90er Jahre

Das waren Zeiten, als ein CDUSenator verkehrs-sozialistische Dogmen für Berlin verkündete: „Modal split 80 zu 20“, sagte der Senator Herwig Haase in den frühen 90er Jahren, wenn er erklären sollte, wie die Hauptstadt, die bald fünf Millionen Einwohner haben würde, die Mobilität der Leute lenken werde. Haases Devise bedeutete: 20 Prozent des Verkehrsaufkommens sollte auf die Autos entfallen. Zehn Jahre später sieht Peter Strieder ein, dass die Leute von ihren individuellen Vorstellungen des Abfahrens und Ankommens nicht abzubringen sind. Sie fahren viel mehr Auto, als Haase erlaubte – und sie fahren häufiger Fahrrad. Strieder hat aus der Statistik einen richtigen und einen falschen Schluss gezogen. Er verspricht, den „nichtmotorisierten“ Verkehr zu fördern. Das ist sinnvoll – je besser man radeln kann, desto mehr Leute werden das tun. Aber wenn es um Autos geht, kommt in richtigen Verkehrsplanern offenbar der Honecker durch. Wenn er schon den Leuten das Autofahren nicht abgewöhnen kann, werde der Senat in Citylagen wenigstens den privaten Stellplatzbau „generell“ begrenzen, droht Strieder. Anders gesagt: Wenn der Autoverkehr nicht zu bremsen ist, macht man Parkraum knapp. Auch so werden sich die meisten Autofahrer nicht in die U-Bahn bewegen lassen und schon gar nicht in den Bus. Dabei hätten die Verkehrsstrategen gut zu tun, erst mal herauszufinden, was so viele fernhält von Bussen und Bahnen. Eine kleine These: zu viel Ärger, zu viel Nerverei. Zweite kleine These: kein „park & ride“. Vielleicht müsste man den Bau von Parkhäusern gar nicht verbieten; vielleicht liegt das Problem im Angebot.

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