Berlin : Verflechtungen und Verdächtigungen

Politiker spekulieren, ob die Kooperation von Alba und BSR den Rauswurf Gamperls erklären könnte

Klaus Kurpjuweit / Ralf Schönball

Die Abfallbeseitigung ist ein schwieriges Geschäft geworden. Nach Angaben von Experten herrscht in ganz Deutschland ein „Entsorgungsnotstand“, der einzelne Firmen sogar in den Ruin treiben könnte. In Berlin arbeiten die beiden großen Unternehmen – die landeseigenen Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) und die private Alba-Gruppe bereits in vielen Bereichen eng zusammen. Und hier gibt es Hinweise darauf, dass der am Montag fristlos geschasste BSR-Chef Gerhard Gamperl einer noch engeren Verflechtung im Weg gestanden haben könnte. Sowohl die BSR als auch Alba weisen dies energisch zurück.

Auf Wunsch des Abgeordnetenhauses muss die BSR knapp die Hälfte des jährlich anfallenden Mülls von privaten Unternehmen entsorgen lassen. Eine von zwei europaweiten Ausschreibungen gewann 2004 Alba. Das Unternehmen wollte den Abfall in zwei neuen Anlagen behandeln. Mit den Planungen für den Bau der Anlage in Reinickendorf hatte Alba schon vor dem Zuschlag begonnen.

„Hätten wir den Auftrag der BSR nicht bekommen, hätten wir für die Anlage andere Lieferungen besorgt“, sagte Alba-Sprecher Axel Bahr. Der Bedarf für solche Anlagen sei deutschlandweit vorhanden, weil der Müll seit Juni 2005 nicht mehr unbehandelt auf Deponien gekippt werden darf.

Wenn Albas neue Anlagen betriebsbereit sind, dann werden diese in eine gemeinsame Gesellschaft überführt. An dieser beteiligen sich Alba mit 49 Prozent und die BSR mit 51 Prozent. Doch die Übergabe klappte bisher nicht, weil die Anlagen noch nicht voll funktionieren. Nach Tagesspiegel-Recherchen musste Alba wegen der verzögerten Übergabe bereits ein Strafgeld an die BSR bezahlen.

Da bisher nur ein Teil des Mülls dort sortiert werden kann, muss Alba den Abfall andernorts entsorgen – und dafür zusätzlich zahlen. Branchenkenner beziffern die dadurch bisher entstandenen Aufwendungen auf 10 bis 20 Millionen Euro. Während Alba überzeugt ist, die Anlage voll zum Laufen bringen zu können, befürchten Techniker, dass dies nur mit hohen Zusatzinvestitionen möglich sein wird. Im Gespräch sind rund fünf Millionen Euro. Die Kosten will Alba allein tragen.

Bereits bei der Einführung des Grünen Punktes gründeten Alba und die BSR eine gemeinsame Firma zur Entsorgung der gelben Tonnen. Aus kartellrechtlichen Gründen musste die BSR später ihren Anteil Alba überlassen. Derzeit gibt es mit der BRAL Reststoff eine weitere gemeinsame Firma, die sich unter anderem um Elektronikschrott kümmert.

Die Bande zwischen Alba und der BSR haben dazu geführt, dass im politischen Raum offen darüber spekuliert wird, ob Gerhard Gamperl dieser Allianz möglicherweise im Wege gestanden haben könnte. Beide Unternehmen weisen dies scharf zurück. Allerdings überzeugt die Begründung der Kündigung den finanzpolitischen Sprecher der Grünen, Jochen Esser, nicht: „Es stellt sich die Frage, ob die Entlassung von Gamperl damit zu tun hat, dass er auf die Einhaltung der mit Alba geschlossenen Verträge besteht.“

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