Berlin : Vergesst Potsdam

Ariane Bemmer

freut sich auf die Länderfusion Berlin–Hamburg Warum in die Ferne schweifen, sagt man frei nach Goethe, sieh, das Gute liegt so nah. Das war für den Berlin bisher der Wannsee, für den Hamburger die Alster, nun ist das anders. Mit dem neuen Express-ICE geht’s jetzt so schnell zwischen Berlin und Hamburg hin und her, dass Alsterspaziergang und Fischmarktbesuch künftig auch in Berliner Reiseführer gehören. „Ich wohn’ in Berlin-Hamburg“, kann man sagen und hier frühstücken, dort shoppen und abends in die Philharmonie gehen. Und günstig sind die Tickets ja auch noch, da kann man nicht meckern.

Man muss aber hoffen, dass die neue Nähe nicht überstrapaziert wird: Dass die proletarischen Berliner nicht in Scharen für einen Nachmittag über die verschnöselten Hamburger hereinbrechen, und immerzu „icke“ sagen, und dass die Hamburger ihrerseits darauf verzichten, nachmittagsweise leicht empört durch Berlin zu tippeln und mit spitzem S „So, und das ist also Berlin?“ zu fragen.

Wobei man sich einigen Punkten ja durchaus schon nah ist: Die Stadt als Miniaturlandschaft für Eisenbahnzüge gibt es in beiden Städten, Museen, Theater, Konzerthallen, Restaurants, Kirchen oder einen gammeligen Bahnhof gibt es hier wie da, Jahrmärkte und Straßenfeste, sogar Techno-Raves machen sie an der Alster, und wie in Berlin hopst auch da nur zugereiste Dorfjugend herum.

Vergessen Sie Goethe, fragen Sie künftig: Warum in der Nähe bleiben, es gibt doch auch Gutes ganz weit weg. Also dann, Volldampf Richtung Länderfusion Berlin –Hamburg; auch wenn die Fahrt an die Elbe etwas länger dauert als nach Potsdam und die Bahntickets teurer sind. Das mit den unwilligen Brandenburgern wird doch sowieso nie was. Aber Halt, war das am Ende das Ziel des Ganzen? Infam!

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