Berlin : Vergiftete Erde: Schwermetall im Berliner Boden

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Der Boden auf dem Gelände der neuen McNair-Siedlung an der Goerzallee ist mit Schwermetallen belastet. Cadmium, Kohlenwasserstoffe und Zink befinden sich in so hohen Mengen in der Erde, dass das Spielen von Kindern nicht angeraten ist. Auf einem solchen Boden darf man eine Autobahn bauen, aber keine Wohnhäuser. Das hat das Ingenieurbüro Ahner und Brehm aus Königs Wusterhausen im Auftrag der Eigentümergemeinschaft herausgefunden.

Die neu eingezogenen Hauseigentümer haben an den Fassaden Schimmel entdeckt und daraufhin das Gutachten in Auftrag gegeben. Denn eine mögliche Ursache für Schimmel ist eine zu hohe Kohlenwasserstoff-Konzentration im Boden. Beim Arbeiten im Garten fanden die Bewohner außerdem Metallstücke und sogar ein Stück Auspuffrohr. "Die Erde riecht komisch", sagt Kerstin Reimann, die mit Mann und drei Kindern ein Haus an der Goerzallee bewohnt, "irgendwie faulig und modrig".

Erst im Frühjahr 2000 waren die ersten von 70 der 700 000 Mark teuren Häuser im Grünen auf dem ehemaligen US-Kasernengelände fertig geworden. Bauträger ist die Projektgesellschaft "Prometheus", an der die Bavaria über 50 Prozent Anteile hat. Nach dem Abzug der Amerikaner gehörte das 150 000 Quadratmeter große Grundstück dem Bund, der die Sanierung der Altlasten bezahlte und überwachte. Woher nun der verseuchte Boden kommt, ist ungeklärt.

"Ein Skandal", meint Michael Arndt, baupolitischer Sprecher der SPD im Abgeordnetenhaus und Steglitzer Abgeordneter, der eine Anfrage an die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gerichtet hat. Die Antwort soll zwar erst Mitte Mai fertig sein, heißt es aus der Behörde, aber Arndt ist schon jetzt sicher: "Da wurde fahrlässig gehandelt." Die Frage sei nur, von wem. "Der Boden wurde vor Baubeginn bis auf einen Meter Tiefe ausgetauscht", versichert Günter Fuderholz, Geschäftsführer der Bavaria - und schiebt den Schwarzen Peter an die Gartenbaufirma, die die neue Erde geliefert hat.

Außerdem hat die Bavaria eigene Gutachter beauftragt. Erste Stichprobenergebnisse liegen vor. "Der Mutterboden ist nicht in Ordnung", bestätigt Fuderholz. Die "Altlasten" wären dann nicht alt, sondern aus der neuen Erde. "Das ist eine höchst unerfreuliche Geschichte", räumt Fuderholz ein, "wir haben aber nicht auf kontaminiertem Boden gebaut." Der ebenfalls neu aufgeschüttete Füllboden, der unter der Muttererde liegt, werde noch untersucht - auch in dieser Erde fanden Ahner und Brehm Schwermetalle.

Angeblich will jemand gesehen haben, wie die Laster, die die verseuchte Erde entfernten, genau dieselben Erdmassen wieder aufnahmen, die sie zuvor abgeladen hatten. Den entsprechenden Verdacht hat Arndt an die Staatsanwaltschaft weitergegeben. Der SPD-Politker will jedoch nicht ausschließen, "dass auch im Amt - wohlwollend ausgedrückt - geschludert wurde". Die Bavaria hat den Eigentümern zugesichert, im Mai erneut den Mutterboden auszutauschen und auch die Schimmelsanierung zu übernehmen.

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