Berlin : Verkalkt

Christian van Lessen

VON TAG ZU TAG

hofft

auf das Ende eines Brunnen-Trauerspiels

Wie viele Gerichte und Gutachter oder auch Politiker haben sich wohl schon bemüht herauszufinden, ob nun der Kalkstein des Künstlers zu falsch, der Frost zu hart oder die Bauaufsicht zu nachlässig war?

Zur Erinnerung an die nachgewachsene Generation: Der Pamukkale-Brunnen, als Zeichen deutsch-türkischer Freundschaft geplant, wurde nach nur sechswöchigem, höchst erfolgreichem Sprudeln abgeschaltet. Über die Terrassen floss der letzte Tropfen vor nun schon unglaublichen fünf Jahren.

Seitdem gammelt ein Wert von 1,7 Millionen Euro Steuergeld herum; hangeln sich Politiker, Bürokraten, Bauexperten und Juristen lustvoll an der Schuldfrage entlang. Als wäre die Frage nach der Schuld ein ABM-Projekt, unbefristet. Fragt jemand, warum das alles so lange dauert, dann heißt es immer wieder geheimnisvoll: „Komplexe Probleme.“

Die Leute rund um den Görlitzer Park, für die das Wasserspiel einst gebaut wurde, wissen oft gar nicht mehr, dass der Brunnen eigentlich sprudeln sollte. Sie denken, dass er eine Ruine ist, so alt wie das Colosseum in Rom oder viele andere antike Trümmer.

Eine Privatinitiative will nun den Versuch wagen, zu retten, was zu retten ist. Die alten Römer, Griechen oder Türken hätten es soweit erst gar nicht kommen lassen.

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