Berlin : Verkannte Verwandte

Die imaginäre Knef-Schwester Irmgard ist wieder da

Matthias Oloew

Vergessen die Zeiten, in denen die Chefs der Bar jeder Vernunft Zweifel hatten am Programm der Irmgard Knef. Fast vergessen die Zeiten, als Ulrich Michael Heissig auf dunklen Probebühnen der Kreuzberger Subkultur die Figur der Irmgard Knef schuf. Unvergessen hingegen Hildegard Knef, die für die Figur auf der Bühne mehr als einfach nur das Vorbild war. Jetzt ist Heissig wieder in Berlin mit seinem neuen Programm „Irmgard Knef – Schwesterseelenallein“.

Wieder erzählt die imaginäre Schwester der Knef von ihrem Schicksal als verstoßene und verkannte Verwandte. Aber Heissig gelingt es, aus der Knef-Kopie eine eigenständige Figur zu machen. Sie singt ihre eigenen Songs, zusammen mit ihrer neuen Band „Strahlkraft“, und sie plaudert von ihrem reichen 76-jährigen Erfahrungsschatz. Von der Luftbrücke und dem US-Soldaten, der sie mit dem Jazz bekannt machte. Von ihrem Zivildienstleistenden, der ihr das Essen auf Rädern bringt. Und von der Inschrift auf dem Stein, der mal auf ihrem Grab stehen wird: „Hier liege ich, ich kann nicht anders.“ Das Publikum tobt .

„Auf dem langen Lauf zu mir selbst habe ich mir meistens ein Taxi genommen“, sagt Irmgard. Für die Bühnenfigur war es kein leichter Weg. Heissig hat sie erfunden aus einer Laune, ist aufgetreten, erst in der Schöneberger Scheinbar, und füllte schließlich die Reihen des 99 Sitze fassenden „Kleinen Theaters“ am Südwestkorso. Der Durchbruch. Heute tourt Heissig durch Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Nach dem Tod von Hildegard Knef überarbeitete Heissig das Programm, schuf schließlich mit „Schwesterseelenallein“ die zweite Bühnenshow. Ein Wagnis war es schon: Würde es funktionieren, ohne die Ankopplung an die leibhaftige Hildegard? Es funktioniert. Im vergangenen Herbst machte Heissig nach 170 Vorstellungen allein in Berlin Schluss mit dem ersten Programm. „Schwesterseelenallein“ gab es zuerst in Hamburg und München zu sehen, wobei das Programm berlinischer nicht sein könnte. Schließlich liebt Irmgard ihr Kreuzberg. Und sie liebt ihre imaginäre Schwester Hildegard.

„Irmgard Knef – Schwesterseelenallein“, noch bis 11. März in der Bar jeder Vernunft.

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