Verkauf : Sportförderung mit Handicap

Unauffälliig ging der Deal über die Bühne: Warum der Verkauf eines Filetgrundstücks an den Golf- und Land-Club Wannsee zunehmend auf Kritik stößt.

Ulrich Zawatka-Gerlach
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Alles im grünen Bereich? Der Golf-Club Wannsee, bislang Pächter des Landes Berlin, will sein 56,8 Hektar großes Gelände kaufen. -Foto: Imago/Schleser

Wer hier abschlägt, gehört dazu. Isa von Hardenberg hat den Golfplatz in Wannsee zu ihrem Favoriten erkoren. Ein Club mit Geschichte, 1895 von britischen und amerikanischen Diplomaten gegründet. Schon Kronprinz Friedrich Wilhelm flanierte über das saftige Grün. Seit Jahren gilt der Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee e.V. als erste Adresse des deutschen Golfsports. Gemeinnützig und die Jugend fördernd. Seit 1994 hat der Verein das 56,8 Hektar große Areal in bester Stadtrandlage vom Land Berlin billig gepachtet. Jetzt will er es dem Senat abkaufen – für einen Appel und ein Ei.

Der Deal ging unauffällig über die Bühne. Am 15. November 2007 wurde der Kaufvertrag zwischen Golf-Club und landeseigenem Liegenschaftsfonds unterschrieben. Am 12. Februar dieses Jahres stimmte der Senat dem Verkauf zu. Für 3,6 Millionen Euro sollte die Immobilie, mit zwei Plätzen, einem prächtigen Clubhaus und Luxusrestaurant den Eigentümer wechseln. Nur noch das Abgeordnetenhaus musste beteiligt werden, weil es sich bei dem Vermögensgeschäft um die „Aufgabe einer landeseigenen Sportanlage“ handelt. Und das bedarf, laut Sportförderungsgesetz, der parlamentarischen Zustimmung. Das öffentliche Interesse am Verkauf begründete der Senat damit, dass der Golf-Club „Planungssicherheit“ bekäme.

Aber jetzt nagen an den Fachpolitikern aller Fraktionen doch Zweifel, ob sich Berlin von dem wertvollen Grundvermögen so einfach – und so billig – trennen soll. Zwar spricht Roland Specker, Ex-Bauunternehmer und Chef des Golf-Clubs seit 1999, von einem „stolzen Kaufpreis“. Und auch Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) weist daraufhin, dass die 3,6 Millionen Euro über dem Verkehrswert lägen. Das Land Berlin mache „ein gutes Geschäft“. Trotzdem sind diese Einschätzungen, bei 6,33 Euro pro Quadratmeter, erklärungsbedürftig. Der Kaufpreis entspricht nur einem Jahresbeitrag, den die 1100 ordentlichen Mitglieder gemeinsam erbringen. Aber der Golf-Club Wannsee ist es offenbar gewohnt, zuvorkommend behandelt zu werden. Der 1994 abgeschlossene Pachtvertrag über 20 Jahre schreibt eine jährliche Pacht von lediglich 86 904 Euro fest. Das sind 15,3 Cent pro Quadratmeter.

Jeder andere gemeinnützige Sportverein in Berlin muss – nach den geltenden Sportanlagen-Nutzungsvorschriften – mindestens das Doppelte zahlen. Vom Landesrechnungshof wurden diese Konditionen frühzeitig angeprangert. Die Prüfer sprachen von „verdeckter Subventionierung“ und hielten Sportanlagen-Verkäufe unter Wert für ungerechtfertigt, „wenn Sportvereine aufgrund ihrer Mitgliederstruktur so finanzstark sind, dass sie der Förderung nicht bedürfen“. Das gelte auch für Immobilien, die nicht nur „der intensiven Sportbetätigung dienen, sondern auch den Charakter von Freizeitgrundstücken haben“. Zudem kamen frühere Wertgutachten für das Gelände, das zu den Berliner Forsten gehört, auf Preise bis 4,8 Millionen Euro.

Die Vergabe an den Golf-Club erfolgte 1994 obendrein ohne Ausschreibung. Maßgeblich beteiligt war der damalige Bausenator Jürgen Klemann (CDU), vormals Zehlendorfer Bürgermeister, der auf der Golfanlage ein gern gesehener Gast war. Aber auch anderen Politikern der ehemals großen Koalition war das Clubhaus nicht fremd.

Schließlich hat der Verein eine typisch West-Berliner Geschichte. Nach 1945 bauten die Amerikaner den zerstörten Platz für eigene Zwecke wieder auf. Dem deutschen Traditionsclub wurde ein kleiner Teil des Areals überlassen und 1994, als die Allierten abzogen, übernahm der Golf- und Land-Club wieder das Grün. Bis heute ein Treffpunkt der Honoratioren aus Wirtschaft, Kultur und Politik.

Durchaus normal für einen Golfplatz, aber wohl kein Fall für die staatliche Sportförderung. Den Politikern von Rot-Rot kommen jetzt entsprechende Bedenken. Die Ausschussberatungen wurden auf die Zeit nach Ostern verschoben und die Abgeordneten wollen den Kaufvertrag einsehen. „Wir haben noch Fragen“, sagt Daniel Buchholz von der SPD. Den Kaufpreis betreffend, und der Verdacht soll ausgeräumt werden, dass auf dem Gelände demnächst ein kommerziell nutzbares Golf-Hotel oder Appartements entstehen könnten. Auch die Linken, Grünen und die CDU wollen dem Verkauf nicht unbesehen zustimmen.

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